Sechsmal mehr Ausreiseanfragen: Furcht vor neuer Mobilmachung treibt Russen ins Ausland
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Vor den anstehenden Wahlen wächst in Russland die Sorge vor einer erneuten Mobilmachungswelle.
Aus Sorge vor einer weiteren Einberufungswelle suchen russische Staatsbürger verstärkt nach Unterkünften im Ausland. Nach Angaben der unabhängigen Hilfsorganisation „Kowczeg“ lag die Zahl der Menschen, die das Land verlassen wollen, im August 2026 sechsmal höher als noch im Mai desselben Jahres.
Immobilienmakler im Südkaukasus registrieren infolgedessen einen sprunghaften Anstieg von Mietanfragen. Besonders gefragt sind Wohnungen in den Hauptstädten Georgiens und Armeniens.
Ansturm auf Mietwohnungen in Tiflis und Eriwan
Wie Recherchen des unabhängigen Mediums „Ważnyje Istorii“ zeigen, kletterten die Mietanfragen in der armenischen Hauptstadt Eriwan im August im Vorjahresvergleich um bis zu 35 Prozent. Für die georgische Hauptstadt Tiflis meldeten Agenturen ein Plus von bis zu 30 Prozent.
Auch die Daten der russischen Suchmaschine Yandex belegen ein massiv gesteigertes Interesse an Unterkünften in beiden Ländern. Ein Teil dieser Nachfrage sei zwar saisonal, Makler berichten jedoch von zahlreichen Kunden, die ihre Ausreisepläne explizit mit der Angst vor dem Kriegsdienst begründen.
Kurzzeitverträge bis nach den Duma-Wahlen
Politische Oppositionelle erwarten neue Rekrutierungswellen im direkten Anschluss an die Wahlen zur Staatsduma, die für den Zeitraum vom 18. bis 20. September angesetzt sind. Viele Ausreisewillige mieten daher gezielt Wohnungen mit kurzen Laufzeiten an, um die Entwicklungen der ersten Wochen abzuwarten.

Andere Mieter schließen langfristige Verträge ab, um sich frühzeitig gegen drohende Mietpreissprünge abzusichern. Obwohl das Interesse spürbar zunimmt, sprechen Beobachter bislang noch nicht von einer flächendeckenden Massenflucht wie im Herbst 2022.
Geheimdienste warnen vor Einberufung von 300.000 Soldaten
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch Berichte über militärische Vorbereitungen des Kremls. Unter Berufung auf ukrainische Geheimdienstkreise kursieren Prognosen, wonach die russische Führung plant, nach dem Urnengang schätzungsweise 300.000 weitere Männer einzuberufen.
- Die russische Armee umfasst derzeit rund 1,5 Millionen Soldaten.
- Nach ukrainischen Angaben sind etwa 720.000 Soldaten in der Ukraine im Einsatz.
- Die reguläre Wehrpflicht gilt in Russland aktuell für Männer zwischen 18 und 30 Jahren.
- Die bisher einzige offizielle Teilmobilmachung fand im September 2022 statt.
Armenien signalisiert unterdessen eine offene Haltung gegenüber Einreisenden. Alen Simonian, Sekretär des armenischen Sicherheitsrates, stellte im Interview mit dem Sender „Doschd“ klar, dass russische Staatsbürger bei der Grenzkontrolle nicht zu den Gründen ihrer Einreise befragt werden.
