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Seit 1185: Wie Preußens König die Stiftsruine in Lippstadt vor dem Abriss rettete

Die Stiftsruine Kleine Marienkirche in Lippstadt im Grünen Aktuelle News

Die Stiftsruine Kleine Marienkirche steht am Rand der Altstadt von Lippstadt.

Mitten im Grünen am Rande der Altstadt von Lippstadt steht eines der ältesten Bauwerke der Region. Anders als viele andere historische Gemäuer in Nordrhein-Westfalen handelt es sich bei der Stiftsruine nicht um eine ehemalige Wehranlage, sondern um ein sakrales Bauwerk.

Die Stiftsruine Kleine Marienkirche in Lippstadt im Grünen
Die Stiftsruine Kleine Marienkirche in Lippstadt im Grünen.

Die Ursprünge der Anlage reichen bis in das Jahr 1185 zurück. Damals stiftete Bernhard II. zur Lippe im Alter von 45 Jahren Teile des Hermeling-Hofs, um dort ein Augustinerinnenstift einzurichten.

150 Jahre Bauzeit bis zur gotischen Hallenkirche

Die eigentlichen Bauarbeiten an der sogenannten „Kleinen Marienkirche“ starteten nach Angaben der KWL Kultur und Werbung Lippstadt GmbH im Jahr 1190. Das Projekt begann mit einem romanischen Nonnenchor und einer dreischiffigen Kirche.

In den folgenden anderthalb Jahrhunderten folgten zahlreiche Erweiterungen und Umbauten. Nach rund 150 Jahren Bauzeit entstand schließlich eine monumentale gotische Hallenkirche.

Sturm, Verfall und das Veto des Preußenkönigs

Bis 1820 diente das Gebäude als aktives Gotteshaus des Stifts, in dem zeitweise mehr als 40 Nonnen lebten. Massive Witterungsschäden leiteten kurz darauf das bauliche Ende der Kirche ein.

Ein schwerer Sturm beschädigte das Dach im Jahr 1819 erheblich. Wegen akuter Einsturzgefahr musste das Gebäude 1831 endgültig geschlossen werden.

Im Jahr 1841 stand die Kirche unmittelbar vor dem vollständigen Abbruch. Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. schaltete sich jedoch persönlich ein, untersagte den Abriss und verfügte den Erhalt der Ruine.

Rückbau und Nutzung als Kulturstätte

Ab 1846 trugen Handwerker zunächst den Kirchturm und im Anschluss das baufällige Dach sowie das Gewölbe ab. Die verbliebenen Außenmauern blieben stehen und wurden über Jahrzehnte von Efeu überwuchert.

Trotz des ruinösen Zustands traten in dem Gemäuer bis in die 1970er Jahre regelmäßig Chöre und Orchester auf. Heute steht die Anlage unter Denkmalschutz und dient als öffentlicher Raum sowie als Fotokulisse.

Zweites Ziel im Stadtgebiet: Burgruine Lipperode

Ausflügler finden im Lippstädter Stadtgebiet noch einen weiteren historischen Mauerrest. Im Ortsteil Lipperode befinden sich die Überreste einer ehemaligen Wasserburg der Edelherren zur Lippe.

Luftbild der Burg Lipperode in NRW.
Luftbild der Burg Lipperode in Nordrhein-Westfalen.

Die Burgruine Lipperode liegt direkt an der Römer-Lippe-Route. Das Gelände ist rund um die Uhr öffentlich und ohne Eintrittsgelder zugänglich.

Lippstadt liegt rund 76 Kilometer östlich von Dortmund und ist über die Straßenverbindungen in etwa einer Stunde Fahrzeit erreichbar. Die Stiftsruine selbst befindet sich unweit der Stiftstraße im Zentrum.