Sicherheitsrisiko „Drohnen auf Rädern“: Bundesregierung prüft Spionagegefahren vernetzter Autos
Aktuelle News
Moderne Autos scannen mithilfe zahlreicher Sensoren und Kameras lückenlos ihr gesamtes Umfeld.
Kameras, Radarsensoren und permanente Internetverbindungen gehören in modernen Autos längst zum Standard. Was den Fahrkomfort erhöht, entwickelt sich zunehmend zur sicherheitspolitischen Herausforderung. Angesichts des wachsenden Marktanteils chinesischer Hersteller arbeitet die Bundesregierung laut einem Bericht des „Spiegel“ an einer nationalen Risikoanalyse zu den Gefahren vernetzter Pkw.
Militärische Sperren in Nachbarländern und Warnungen des BSI
Andere europäische Staaten reagieren bereits restriktiv auf die Datensammler auf Rädern. Polen und die Schweiz haben für moderne, vernetzte Fahrzeuge bereits Zufahrtsbeschränkungen zu militärischen Sicherheitsbereichen verhängt.
Das Bundesinnenministerium stuft die Lage derzeit als „abstrakte Missbrauchsgefahr“ ein. Zwar seien bisher keine konkreten Vorfälle bekannt, eine staatliche Einflussnahme auf die Hersteller lasse sich technisch jedoch nicht ausschließen.
Thorbjörn Schulz vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mahnt zur Wachsamkeit. Die gesammelten Daten könnten für Werbezwecke, das Training künstlicher Intelligenz oder gezielte Spionage abfließen.
Vergleich mit unbemannten Fluggeräten
Peking selbst geht bei der Regulierung im eigenen Land weitaus restriktiver vor als europäische Regierungen. Das zeigt eine Auswertung chinesischer Regierungsdokumente durch Paulina Uznańska vom Warschauer Centre for Eastern Studies.

Die Wissenschaftlerin betont, dass China vernetzte Fahrzeuge in erster Linie als sicherheitsrelevante Technologie einstufe. Sie vergleicht moderne Autos mit „Drohnen auf Rädern“, die sicherheitspolitisch dieselbe Aufmerksamkeit erforderten wie unbemannte Flugkörper.
Gefahr von Datenweitergaben und reale Sicherheitslücken
Durch die enge militärische Zusammenarbeit zwischen Peking und Moskau bestehe laut Uznańska zudem das Risiko, dass europäische Bewegungsdaten letztlich auch russischen Stellen zur Verfügung stehen könnten.
Dass vernetzte Fahrzeugdaten ein sensibles Angriffsziel darstellen, belegte bereits 2024 eine Sicherheitslücke bei der Volkswagen-Softwaretochter Cariad. Damals lagen mehrere Terabyte an Daten von etwa 800.000 Fahrzeugen ungeschützt auf einem Cloud-Server, wodurch sich Bewegungsprofile, Wohnorte und Arbeitsstätten konkreter Fahrzeughalter direkt nachvollziehen ließen.
