Solarschrott-Revolution: Dresdner Start-up setzt auf Lichtblitze statt Schredder
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Harald Groß und Michael Heuschkel nutzen hochintensive Lichtimpulse für das Solarmodul-Recycling.
Solarmodule sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Nach rund 25 Jahren verlieren sie an Effizienz, und obwohl sie oft noch weiterlaufen, steht die Branche vor einem gewaltigen Entsorgungsproblem. Allein in Deutschland werden bis zum Jahr 2030 etwa eine Million Tonnen Solarschrott erwartet.
Das Recycling gestaltet sich bisher als schwierig, da die Module aus fest verklebten Schichten – Glas, Kunststoff, Aluminium, Silizium und Silber – bestehen. Herkömmliche Verfahren sind oft teuer und ineffizient.
Ein neuer Ansatz aus Dresden: Recycling per Lichtblitz
Das Dresdner Unternehmen FLAXRES setzt auf eine radikal andere Methode: Statt die Module mechanisch zu schreddern oder chemisch zu behandeln, kommen hochintensive Lichtpulse zum Einsatz. Diese Impulse sind etwa 80.000-mal heller als die Sonne.
Das Funktionsprinzip ist physikalisch elegant: Der Lichtblitz durchdringt die Glasschicht und erhitzt die darunter liegenden Siliziumzellen innerhalb einer Millisekunde auf mehrere Hundert Grad. Durch die unterschiedliche Wärmeausdehnung der Materialien lösen sich die Schichten voneinander, ohne dass die Kunststoffe dabei schmelzen.
Harald Groß und Michael Heuschkel bei der Arbeit an ihrer Recycling-Technologie.
Effizienz in der Kreislaufwirtschaft
Der Prozess ist trotz der enormen Energieintensität der Blitze sparsam. Für ein 17 Kilogramm schweres Modul benötigt die Anlage lediglich rund 0,6 Kilowattstunden Strom. Die restliche Zerlegung des Rahmens und die Reinigung der Glasplatten übernehmen im Anschluss automatisierte mechanische Systeme.

Laut FLAXRES können auf diese Weise bis zu 98 Prozent der Bestandteile eines Moduls zurückgewonnen werden:
- Solarglas: Etwa 12 Kilogramm pro Modul, nahezu verunreinigungsfrei.
- Silber: Etwa 10 Gramm als wertvoller Rohstoff.
- Silizium: Kann direkt für die Produktion neuer Zellen wiederverwendet werden.
Skalierbarkeit und Zukunftsaussichten
Die Idee hinter dieser Technologie entstand durch reinen Zufall bei Experimenten der Physiker Harald Groß und Michael Heuschkel. Heute beschäftigt das Unternehmen 15 Mitarbeitende und wird durch Investitionen in Millionenhöhe unterstützt. Um das Recycling wirtschaftlich zu gestalten, plant FLAXRES den Einsatz der Anlagen in mobilen Überseecontainern. Dies würde es ermöglichen, die Module direkt in großen Solarparks weltweit zu recyceln, statt sie über weite Strecken zu transportieren.
Experten wie Marius Peters vom Forschungszentrum Jülich betrachten das Verfahren als potenziellen „Game-Changer“. Die Methode könnte die notwendige Grundlage für eine echte Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik-Industrie schaffen, indem sie das Recycling erstmals wertstofferhaltend, schnell und industriell skalierbar macht.
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