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SPD und Union stürzen bei Jungen auf 10 Prozent ab: AfD und Linke dominieren unter 35

Friedrich Merz und Angela Merkel Aktuelle News

Friedrich Merz und Angela Merkel

Die traditionellen deutschen Volksparteien verlieren rasant an Rückhalt in der Bevölkerung. Erhebungen der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Parteienforschers Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin belegen einen massiven Einbruch der langfristigen Wählerbindung bei Union und SPD.

Während sich die politische Mitte leert, wandern insbesondere jüngere Wählerschichten verstärkt an die Ränder ab. Dahinter stehen tiefgreifende ökonomische und gesellschaftliche Spaltungen.

Merz und Merkel
Friedrich Merz und Angela Merkel bei einer Parteiveranstaltung.

Dramatischer Mitgliederschwund bei SPD und Union

Der Mitgliederschwund der einstigen Großparteien verdeutlicht das Ausmaß der Entfremdung. Zählte die SPD im Jahr 1990 noch 943.000 Mitglieder, waren es 2025 lediglich 348.000. CDU und CSU schrumpften im selben Zeitraum von zusammen 976.000 auf 482.000 Mitglieder.

Forscher Niedermayer spricht von einer kontinuierlich schwindenden Verankerung im Parteiensystem. Wenn die Basis wegbricht, geht auf Dauer der direkte Kontakt zwischen Bürgern und den Regierungsträgern verloren, wie Politikwissenschaftler Elmar Wiesendahl warnt.

Auch die Wählerbindung ist historisch eingebrochen: 1976 wiesen im Westen noch jeweils 39 Prozent der Wahlberechtigten eine feste Bindung an SPD oder Union auf. Im Jahr 2024 lag dieser Wert im Westen bei 15 Prozent für die SPD und 22 Prozent für die Union, im Osten bei nur noch 11 Prozent für die Sozialdemokraten und 15 Prozent für die CDU.

Wahlergebnisse: Die Jugend wählt an den Rändern

Besonders drastisch zeigt sich der Umbruch im Wahlverhalten der unter 35-Jährigen bei der Bundestagswahl 2025. Die Linke sicherte sich bei den 18- bis 24-Jährigen 27,3 Prozent der Stimmen und bei den 25- bis 34-Jährigen 17,6 Prozent.

Die AfD stieg bei den 25- bis 34-Jährigen sogar zur stärksten Kraft auf und wurde bei den 18- bis 24-Jährigen zweitstärkste Partei. Insgesamt wählte rund ein Fünftel der Wähler unter 35 Jahren die AfD.

CDU und SPD stürzten in beiden Alterskohorten dramatisch ab und erzielten bei den Jungwählern jeweils nur noch enttäuschende 10 bis 12 Prozent der Zweitstimmen.

Fünf Lebenswelten spalten die Wählerschaft

Die Konrad-Adenauer-Stiftung führt die Zersplitterung auf fünf grundlegend unterschiedliche Milieus zurück, die stark durch Einkommen, Bildung und Demografie bestimmt werden.

  • Zufriedene Konsensbürger: 78 Prozent dieser SPD-, Unions- und Grünen-Wähler kommen finanziell gut zurecht und haben ein hohes Vertrauen in die Institutionen.
  • Konservativ-Liberale: Sie setzen auf Steuersenkungen, Zuzugsbegrenzung sowie Wirtschaftswachstum und blicken ebenfalls optimistisch auf das System.
  • Gebildetes Mitte-Links-Lager: Weist den höchsten Akademikeranteil auf und zeigt mit 83 Prozent das mit Abstand größte politische Interesse.
  • AfD-Affine: Nur 43 Prozent kommen mit ihrem Einkommen gut über die Runden; 18 Prozent stehen unter schwerem ökonomischem Druck. 68 Prozent sind mit dem Funktionieren der Demokratie unzufrieden.
  • Linke Gleichgültige: Gekennzeichnet durch extreme politische Abstinenz und die höchste Wahlnichtbeteiligung.

Ökonomischer Druck und Frustration

Vor allem im Lager der AfD-Affinen manifestiert sich wirtschaftliche Prekarität in systemischer Ablehnung. Die Gruppe wird überproportional von Männern mit mittleren Bildungsabschlüssen dominiert, bei denen sich Abstiegsängste mit institutionellem Misstrauen verbinden.

Für die Volksparteien ergibt sich daraus das strukturelle Problem, dass sie die wachsende Kluft zwischen gesicherten älteren Milieus und verunsicherten jungen Bürgern bislang kaum noch überbrücken können.