Speicher-Boom in Bulgarien: Batteriesysteme erreichen 16 Prozent der Netzkapazität
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Großbatteriespeicher dienen als Puffer für überschüssige Solarenergie im europäischen Stromnetz.
Bislang stand Bulgariens Energiesektor vor allem für Kohle- und Atomkraft. Nun vollzieht das südosteuropäische Land einen bemerkenswerten Wandel hin zu Großbatterien.
Im Jahr 2024 gingen in Bulgarien Speicher mit lediglich 200 Megawattstunden Kapazität ans Netz. 2025 stieg dieser Wert auf knapp 2,5 Gigawattstunden – mehr als das Elffache. Damit sicherte sich das Land hinter Deutschland und Italien Rang drei beim jährlichen Zubau in der Europäischen Union.
Finanzielle Rückendeckung liefert das EU-Programm Restore. Über diesen Fonds fließen rund 1,15 Milliarden Lewa (588 Millionen Euro) in Großspeicherprojekte mit einer Mindestgesamtkapazität von 3.000 Megawattstunden.
Solarüberschuss zwingt zum Umdenken
Der massive Ausbau der bulgarischen Photovoltaik sorgt zur Mittagszeit regelmäßig für Überkapazitäten. Die Strombörsen reagieren darauf mit Preisen um null oder gar im negativen Bereich.
Erzeuger müssen ihren Strom zu diesen Zeiten verschenken oder Abnehmer dafür bezahlen. Am Abend kehrt sich die Dynamik um: Die Solareinspeisung bricht weg, die Nachfrage zieht an und die Preise steigen drastisch.
Hier greift das Geschäftsmodell moderner Großbatterien. Sie nehmen den billigen Überschussstrom mittags auf und speisen ihn während der Abendspitze gewinnbringend wieder ein.
Eine industrielle Speicheranlage zur Zwischenspeicherung von erneuerbarem Strom.
Spitzenwerte im internationalen Vergleich
Weltweit wuchs der Markt für stationäre Batteriespeicher 2025 um rund 50 Prozent auf etwa 315 Gigawattstunden. Branchenprognosen rechnen für 2026 mit mehr als 450 Gigawattstunden.
In Bulgarien waren bis Juli 2026 Batteriesysteme mit einer Gesamtleistung von rund 4,5 Gigawatt am Netz. Über Ausschreibungen wurden Vorhaben mit mehr als 14 Gigawattstunden Gesamtkapazität vergeben.

Relation zum Gesamtsystem entscheidet
Absolute Zahlen großer Märkte wie den USA oder China erreicht Bulgarien nicht. Entscheidend ist jedoch der Anteil am heimischen Netz.
Laut Berechnungen von Aurora Energy Research erreicht die Batteriespeicherleistung in Bulgarien rund 16 Prozent des gesamten Stromsystems. Das ist im weltweiten Vergleich ein Spitzenwert.
Stresstest durch Niedrigwasser an der Donau
Welche Rolle flexible Speicher bei Extremwetter spielen, zeigte sich im Sommer 2026. Eine anhaltende Dürre senkte den Wasserstand der Donau drastisch und schränkte die Kühlung mehrerer Kernkraftwerke ein.
Rumänien musste die beiden Reaktoren in Cernavodă vorübergehend komplett abschalten, Ungarn drosselte das AKW Paks. In Bulgarien reduzierte das Kraftwerk Kozloduj die Leistung von Block 5 vorsorglich um 120 Megawatt – eine Premiere in der 52-jährigen Betriebsgeschichte der Anlage.
Großbatterien können Grundlastkraftwerke zwar nicht dauerhaft ersetzen, federn jedoch kurzfristige Leistungsabfälle in Sekundenschnelle ab und stabilisieren die Netzfrequenz.
Ausbauoffensive in ganz Europa
Der bulgarische Speicherausbau spiegelt die gesamteuropäische Herausforderung wider: Immer mehr volatile erneuerbare Energie trifft auf teils überlastete Stromnetze.
Europaweit befinden sich derzeit 147 Energiespeicherprojekte mit 14 Gigawatt Gesamtleistung im Bau. Elektrochemische Batteriespeicher dominieren diesen Markt mit 10,4 Gigawatt, gefolgt von Pumpspeicherkraftwerken mit 2,7 Gigawatt.

