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Springer-Chef Mathias Döpfner (63) rechnet mit Brandmauer-Rhetorik und Medien ab

Axel-Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner Aktuelle News

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner äußert sich zu aktuellen politischen und medialen Debatten.

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hält eine Koalition mit der AfD für falsch, übt jedoch deutliche Kritik an der Debatte um die sogenannte „Brandmauer“. Diese Begrifflichkeit beleidige viele Wähler und schaffe Märtyrerlegenden, erklärte der 63-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Stattdessen plädiert Döpfner dafür, rote Linien und Werte klar zu benennen. Eine Absage an Regierungsbündnisse mit der AfD sei richtig, müsse seiner Ansicht nach aber gleichermaßen für die sozialistische Linke gelten.

Kritik an Blockadehaltungen und Verbotsdebatten

Mit Blick auf die anstehenden Wahlen, wie etwa in Sachsen-Anhalt am 6. September, sieht Döpfner die Ursache für starke Ränder vor allem in der Schwäche des politischen Zentrums. Um ein Abdriften zu verhindern, müsse die Mitte an Glaubwürdigkeit und Kompetenz gewinnen.

Ein generelles Ausschließen bestimmter Konstellationen hält Döpfner für strategisch falsch. Insbesondere die pauschale Absage an Minderheitsregierungen führe die Politik in eine Sackgasse, wenn dadurch Mehrheiten für konkrete Sachfragen blockiert werden.


Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner

Auch die anhaltenden Diskussionen über ein AfD-Verbotsverfahren bewertet der Verlagschef skeptisch. Ein solches Vorgehen tauge nur, wenn eine Verfassungsfeindlichkeit rechtsstaatlich eindeutig nachgewiesen werden könne. Die dauerhafte Drohung mit einem Verbot sei toxisch.

Selbstkritik der Medien und die Rolle von KI

Döpfner sieht zudem gravierende Fehlentwicklungen in der Medienlandschaft. Der Journalismus sei in Teilen zu berechenbar und belehrend aufgetreten, wodurch sich Redaktionen von ihrem Publikum entfernt hätten.

Springer-Chef Mathias Döpfner (63) rechnet mit Brandmauer-Rhetorik und Medien ab

Vor allem in Ostdeutschland existiere durch historische Erfahrungen ein sensibles Gespür für staatsnahe Berichterstattung. Zwar seien Kampfbegriffe wie „Lügenpresse“ überzogen, das dahinterliegende Grundgefühl müsse die Branche jedoch zu mehr Selbstkritik anregen.

Verantwortungsprinzip bei Künstlicher Intelligenz

Große Veränderungen erwartet Döpfner durch Künstliche Intelligenz im Journalismus. Routineaufgaben wie das Sammeln und Neufassen von Fakten werden künftig an Relevanz verlieren, während Vor-Ort-Recherche und eigene Gedanken wichtiger werden.

Im Hause Axel Springer gelte ein klares Prinzip: Die Verantwortung für Texte, Sprache und Fakten bleibe vollständig beim Menschen. Rein KI-generierte Inhalte ohne Kennzeichnung überschreiten eine rote Linie.

Internationale Ausrichtung und Ehrung von Peter Thiel

Den Zukauf der britischen Mediengruppe „Telegraph“ ordnet Döpfner strategisch ein: Ziel sei es, die gesellschaftliche und politische Mitte anzusprechen. In einem Umfeld, in dem Parteien zunehmend an die Ränder driften, liege der Fokus auf moderaten Kräften.

Am 24. September verleiht das Medienhaus zudem den Axel Springer Award an den US-Investor und Palantir-Mitgründer Peter Thiel. Döpfner bezeichnete den Unternehmer als streitbaren Geist und einen der derzeit einflussreichsten Deutschen weltweit.