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Studie an 10 Männern zeigt: Was der Verdauungsschnaps nach dem Essen wirklich bewirkt

Buchcover von Uwe Knop zum Thema Ernährung Aktuelle News

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop hinterfragt gängige Mythen rund um die Verdauung.

Nach einem fettigen oder üppigen Mahl greifen viele Menschen ganz selbstverständlich zu Kräuterlikör, Grappa oder Aquavit. Der hochprozentige Digestif gilt seit Generationen als verlässliches Hausmittel gegen das drückende Völlegefühl.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeichnen jedoch ein vollkommen anderes Bild. Die physiologischen Effekte des Alkohols entsprechen selten den Erwartungen der Genießer.

Was Studien über Magen und Alkohol verraten

In einer Interventionsstudie untersuchten Forscher die Wirkung verschiedener Spirituosen an zehn gesunden Männern nach einer reichhaltigen Mahlzeit. Getestet wurden unter anderem Williamsbrand, Aquavit, Brandy und Kräuterlikör im direkten Vergleich zu Espresso und Wasser.

Das Ergebnis war eindeutig: Kein einziges alkoholisches Getränk beschleunigte den Weitertransport des Speisebreis aus dem Magen in den Darm. Auch der Espresso zeigte keinen messbaren Vorteil gegenüber einfachem Wasser.

Die einzige Maßnahme im Test, die die Magenentleerung tatsächlich messbar ankurbelte, war ein langsamer Spaziergang nach der Mahlzeit. Weitere Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass Alkohol die Magenentleerung eher verlangsamt als beschleunigt.

Bitterstoffe und der Mythos der Heilkraft

Häufig wird argumentiert, dass nicht der Alkohol, sondern die enthaltenen Kräuter und Bitterstoffe den Magen entlasten. Bitterkräutern wird in der Naturheilkunde traditionell eine anregende Wirkung auf Verdauungssäfte zugeschrieben.

Studie an 10 Männern zeigt: Was der Verdauungsschnaps nach dem Essen wirklich bewirkt

Der Alkohol dominiert die Rezeptur

Für die Annahme, dass die geringe Menge an Bitterstoffen in einem klassischen Schnapsglas eine klinisch relevante Wirkung entfaltet, fehlen belastbare wissenschaftliche Belege. Bei Spirituosen bildet der Alkohol den mit Abstand größten Wirkstoffanteil, während Extrakte nur in minimalen Dosen vorkommen.

Zudem stammen die meisten Erkenntnisse aus kleinen Laborstudien mit wenigen Teilnehmern. Sie bilden reale Bedingungen bei Menschen mit wiederkehrenden Magenbeschwerden nur bedingt ab.

Subjektives Empfinden gegen Labordaten

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop betont, dass Verdauung mehr ist als die reine Entleerungsgeschwindigkeit des Magens. Ob sich jemand nach dem Essen wohlfühlt, hängt stark von Gewohnheiten, Gemütlichkeit und der individuellen Verträglichkeit ab.

Obwohl die Probanden in den Tests physiologische Unterschiede bei der Magenpassage zeigten, blieb das subjektive Völlegefühl über alle Getränke hinweg nahezu identisch. Wer nach dem Essen einen Schnaps genießt, trifft daher eine reine Genussentscheidung ohne therapeutischen Mehrwert.

Uwe Knop
Uwe Knop