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Studie mit 3.700 Teilnehmern: KI steuert Anlageentscheidungen massiv – selbst bei offengelegten Interessenkonflikten

KI in der Finanzberatung und Geldanlage Aktuelle News

Künstliche Intelligenz beeinflusst Anlageentscheidungen oft stärker als menschliche Finanzberater.

Künstliche Intelligenz greift immer tiefer in finanzielle Entscheidungen ein. Wie stark Anleger den Empfehlungen automatisierter Systeme vertrauen, zeigt nun eine Untersuchung der Universität Bayreuth mit 3.700 Teilnehmern.

Die Ökonomen Joshua Greubel, Henrik Guhling und Fabian Herweg analysierten in einem CESifo-Arbeitspapier, wie Probanden zwischen zwei Fondssparplänen wählen. Beide Fonds bildeten denselben künstlichen Aktienindex ab und unterschieden sich ausschließlich bei den Gebühren.

Versteckte Kosten: Warum die Wahl ohne Beratung oft scheitert

Ein Anbieter verlangte geringere Ordergebühren, der andere niedrigere laufende Verwaltungskosten. Abhängig von der gewählten monatlichen Sparrate führte stets nur eine Option zu einem messbar höheren Endvermögen.

Ohne jede Beratung entschied sich dennoch mehr als ein Drittel der Probanden für das unvorteilhafte Produkt. Sobald jedoch ein Chatbot zum Einsatz kam, verschoben sich die Ergebnisse drastisch.

Einfluss von Chatbots: Empfehlungen lenken Anleger zielgenau

Die Forscher setzten für den Versuch das Sprachmodell GPT-5 mini ein. Erhielt die KI den Auftrag, den kostengünstigeren Anbieter zu empfehlen, entschieden sich rund 87 Prozent der Probanden dafür.

Wurde das Sprachmodell hingegen instruiert, das schlechtere Produkt anzupreisen, sackte der Anteil der korrekten Entscheidungen auf 34 Prozent ab. Rund zwei Drittel der Anleger folgten der fehlerhaften Empfehlung.

„KI kann bei der Entscheidung stark unterstützen, aber nur, wenn sie richtig berät“, erklärt Joshua Greubel von der Universität Bayreuth. „Genauso kann sie Entscheidungen auch massiv in die falsche Richtung lenken.“

Offengelegte Interessenkonflikte ändern das Verhalten kaum

In einer weiteren Versuchsreihe deklarierten die Forscher den Chatbot explizit als „Bank-KI“. Den Teilnehmern war bekannt, dass die Bank finanziell davon profitierte, wenn sie das empfohlene Produkt wählten.

Studie mit 3.700 Teilnehmern: KI steuert Anlageentscheidungen massiv – selbst bei offengelegten Interessenkonflikten

Dieser offengelegte Interessenkonflikt schwächte die Wirkung des Chatbots statistisch nicht ab. Die Probanden folgten den Empfehlungen der Bank-KI genauso häufig wie denen eines neutral deklarierten Systems.

Zudem übertraf der Algorithmus menschliche Laienberater deutlich. Empfahl die KI das bessere Produkt, folgten ihr 9,9 Prozentpunkte mehr Probanden als einem Menschen. Leitete sie die Anleger auf das schlechtere Angebot um, fiel die Erfolgsquote um 13,6 Prozentpunkte schlechter aus als unter menschlichem Einfluss.

Finanzprofis und Laien im direkten Vergleich

Selbst Probanden mit hohem Finanzwissen ließen sich manipulieren. Während in dieser Gruppe ohne Beratung 87,7 Prozent das bessere Produkt erkannten, halbierte sich dieser Wert unter dem Einfluss fehlerhafter KI-Ratschläge.

Umgekehrt profitierten finanzunkundige Teilnehmer massiv von korrekten KI-Hinweisen: Ihre Trefferquote stieg von 28,1 Prozent ohne Hilfe auf 85,6 Prozent mit Chatbot-Unterstützung.

In einem zusätzlichen Testlauf verglichen die Forscher die KI mit echten Finanzberatern. Bei guten Empfehlungen wählten 82,2 Prozent nach menschlicher Beratung das beste Produkt – bei der KI waren es 88,6 Prozent. Bei gezielter Falschberatung lag die Quote richtiger Entscheidungen bei Profiberatern bei 38,4 Prozent, bei der KI bei 34,8 Prozent.

Sprachliche Einheitlichkeit schlägt menschliche Argumente

Die Auswertung der Chatprotokolle ergab, dass Probanden mit der KI nicht häufiger schrieben als mit menschlichen Beratern. Die KI-Antworten fielen jedoch länger, sprachlich konsistenter und rhetorisch überzeugender aus.

„Reine Transparenz, dass KI verwendet wird, reicht also nicht aus“, betont Fabian Herweg. Entscheidend sei, welche Ziele einem System vorgegeben werden und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen.