Sturzflut im Himalaya: Mindestens 356 Tote und 1500 Vermisste nach Gletscherabbruch
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Gewaltige Schlammmassen haben im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet massive Zerstörungen hinterlassen.
Eine verheerende Sturzflut hat im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist auf mindestens 356 gestiegen, während die Zahl der Vermissten weiter drastisch zunimmt.
Behörden vor Ort befürchten, dass insgesamt bis zu 1500 Menschen verschüttet oder mitgerissen wurden. Allein in Nepal gelten 826 Personen als vermisst, darunter mindestens 650 ausländische Reisende. Auf tibetischer Seite wurden rund 558 Menschen bislang nicht erreicht.
Verwüstung entlang des Bhotekoshi: Ganze Dörfer verschwunden
Mehr als 7400 Einsatzkräfte von Armee und Polizei kämpfen sich derzeit durch das Katastrophengebiet. Die Schlammmassen ergossen sich über mehr als 160 Kilometer entlang des Flusses Bhotekoshi bis weit nach Zentralnepal hinein.
Überlebende berichten von einer sekundenschnellen Zerstörung. „Es war ein riesiger Schwall Schlamm, der direkt auf uns zukam“, schilderte der 68-jährige Keshav Prasad Baral, dessen Frau von den Fluten fortgerissen wurde. Anwohner Jaleshwar Kumar Sahni erklärte, die Sturzflut habe innerhalb von nur 15 Minuten sämtliche Gebäude dem Erdboden gleichgemacht.
Zerstörungen im Himalaya nach dem Durchzug der Schlammlawine.
Bislang konnten Rettungskräfte fast 240 Menschen lebend bergen, darunter 100 indische Pilger und 25 Arbeiter aus China. Zudem wurden mindestens 336 Personen per Hubschrauber aus dem besonders schwer getroffenen Distrikt Rasuwa in Sicherheit gebracht.
Zerstörte Brücken, meterhohe Schlammschichten und blockierte Zufahrtswege erschweren die Suche nach Überlebenden massiv. Am Grenzübergang Gyirong türmt sich das Geröll stellenweise mehr als zwei Meter hoch, während anhaltender Regen die Gefahr weiterer Erdrutsche hochhält.

Hunderte Reisende im Himalaya vermisst
Die betroffene Route verbindet Kathmandu mit Lhasa und ist bei Trekkern sowie Pilgern auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash stark frequentiert. Laut nepalesischer Touristenpolizei befinden sich Touristen aus mehr als 30 Ländern unter den Vermissten, darunter auch acht deutsche Staatsbürger.
Herkunft der vermissten Touristen (Auswahl)
- Indien: 288 Personen
- Nepal: 113 Touristen (zudem 162 Anwohner und 85 Sicherheitskräfte)
- USA: 65 Personen
- Ukraine: 55 Personen
- Malaysia: 51 Personen
- Australien: 35 Personen
- Großbritannien: 33 Personen
- Kanada: 25 Personen
- Deutschland: 8 Personen
- Schweiz: 1 Person
Internationale Spitzenpolitiker sowie UN-Generalsekretär António Guterres sagten Nepal finanzielle und logistische Unterstützung zu. Auch Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner und das im Exil lebende tibetische Oberhaupt Dalai Lama äußerten ihre tiefe Bestürzung über das Ausmaß der Zerstörung.
Gletscherabbruch löste Flutwelle aus
Nach Auswertungen von Satellitenbildern durch den nepalesischen Katastrophenschutz blockierte eine gewaltige Gletscherlawine im Hochland von Tibet einen Zufluss des Bhotekoshi. Das aufgestaute Wasser bildete einen temporären See, der schließlich schlagartig durchbrach und als meterhohe Schlamm- und Geröllwand talwärts schoss.
Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte am Unglücksmorgen Erschütterungen der Stärke 5,2 in der Region. Seismische Analysen bestätigten, dass diese Signale nicht von einem klassischen Erdbeben, sondern direkt durch den massiven Gletscherabbruch und den nachfolgenden Schuttstrom verursacht wurden.

