Tanktourismus extrem: Warum randvolle Benzinkanister im Auto lebensgefährlich sind
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Reservekanister dürfen im Auto nur unter strengen Auflagen und in begrenzten Mengen transportiert werden.
Die hohen Spritpreise treiben Autofahrer aus den niederländischen und deutschen Grenzregionen scharenweise ins günstigere Ausland. Um maximal zu sparen, füllen viele nicht nur den Autotank.
Kofferräume und Rückbänke werden oft mit mehreren randvollen Benzinkanistern beladen. Was für Schnäppchenjäger verlockend klingt, ist laut Rettungskräften brandgefährlich.
Unsichtbare Lebensgefahr im Kofferraum
Gefahrstoffexperte Alex van Dijk mahnte im Gespräch mit dem Sender Omroep Zeeland eindringlich vor den Konsequenzen. Bei einem Fahrzeugbrand kalkulieren die Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Regel nur mit dem fest verbauten Kraftstofftank.
Versteckte Kanister auf der Rückbank wirken bei einem Unfall wie Brandbeschleuniger und erschweren die Rettungsarbeiten massiv. Zudem unterschätzen viele Autofahrer die austretenden Benzindämpfe.
Selbst bei vermeintlich fest verschlossenen Behältern können diese entweichen und während der Fahrt zu Kopfschmerzen oder Benommenheit führen. Bei einem Aufprall werden ungesicherte Kanister außerdem zu tödlichen Wurfgeschossen im Fahrzeuginnenraum.
Boomender Tanktourismus an deutschen Grenzen
Auch an den deutschen Grenzen ist der Run auf billigen Sprit ungebrochen. An der deutsch-tschechischen Grenze, etwa im Raum Furth im Wald, stellten Beamte des Hauptzollamts Regensburg im Mai 2026 mehr als 320 Liter unversteuerten Kraftstoff sicher.
Die Preisdifferenz im tschechischen Nachbarort Folmava betrug laut dem Nachrichtenportal idowa teilweise bis zu 40 Cent pro Liter. Die Kontrollen wurden hierbei oft in Zusammenarbeit deutscher und tschechischer Einsatzkräfte durchgeführt.

Ähnliche Bilder zeigten sich an der deutsch-polnischen Grenze. Im März 2026 kontrollierte der Zoll massiv Grenzübergänge in Bayern, Sachsen und Brandenburg. Der WDR und die Süddeutsche Zeitung berichteten von langen Warteschlangen und Autofahrern, die den günstigeren Kraftstoff kanisterweise nach Deutschland importieren wollten.
Strenge Regeln: Was erlaubt und was steuerfrei ist
Der ADAC rät aus Sicherheitsgründen dazu, maximal zehn Liter Reservekraftstoff im Auto mitzuführen. Rein nach dem Gefahrgutrecht dürfen Privatpersonen in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen zwar bis zu 240 Liter pro Fahrzeug transportieren.
Diese Menge muss allerdings auf Behälter mit maximal 60 Litern Fassungsvermögen verteilt sein. Die Kanister müssen zudem explizit für Kraftstoff zugelassen, dicht verschlossen und zwingend gegen Verrutschen gesichert sein.
Ein häufiger Irrtum betrifft jedoch die Steuern. Laut dem deutschen Zoll ist bei der Einfuhr aus einem anderen EU-Staat lediglich der reguläre Fahrzeugtank plus maximal 20 Liter in einem Reservekanister steuerfrei.
Wer größere Mengen über die Grenze bringt, muss dafür Energiesteuer zahlen. Fliegen die nicht angemeldeten Extra-Kanister bei einer Zollkontrolle auf, droht den Fahrern sofort ein Steuerstrafverfahren.
