Tödliche Schüsse in Aarau: Vater des Schützen spricht über Schizophrenie und Waffenbesitz
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Tödliche Schüsse in Aarau: Vater des Schützen spricht über Schizophrenie und Waffenbesitz
Nach den tödlichen Schüssen im schweizerischen Aarau hat sich der Vater des Tatverdächtigen öffentlich geäußert. Vor rund zwanzig Jahren war der Mann für drei Wochen in einer psychiatrischen Abteilung in Delémont hospitalisiert, weil er den Kontakt zu Mitmenschen nicht mehr ertrug und arbeitsunfähig war. Seitdem bezog er eine volle Invalidenrente.
Jahrelanger Rückzug und abgesetzte Medikamente
Gegenüber der Schweizer Regionalzeitung Le Quotidien Jurassien zeichnet der Vater das Bild eines schwer isolierten Mannes. Der Verdächtige habe sich extrem abgeschottet, misstrauisch verhalten und paranoide Züge gezeigt. Zuletzt waren die Eltern fast die einzigen Personen, zu denen er noch Kontakt hielt.
Verweigerung jeder Therapie
Laut den Schilderungen entwickelte der Sohn eine ausgeprägte Angst vor psychiatrischen Einrichtungen. Seine Medikamente wurden im Laufe der Zeit schrittweise reduziert, bis er die Einnahme seit langer Zeit komplett verweigerte.
Angebote der Familie für eine erneute medizinische Betreuung wies er stets zurück. Zwar kam es im häuslichen Umfeld zu verbalen Ausbrüchen, physische Gewalt gegenüber seinen Angehörigen habe es jedoch nie gegeben.
Der Vater des Schützen von Aarau im Fernsehbeitrag.
Durchsuchung im Elternhaus und Entschuldigung an die Opfer
Einsatzkräfte der Polizei weckten die Eltern in der Nacht zum 31. August an ihrem Wohnort. Wenige Stunden später durchsuchten die Beamten das Zimmer des Sohnes im Haus der Familie und informierten die Eltern über den Zusammenhang mit den Schüssen in Aarau.
Noch am Tag vor der Tat hatten die Eltern ihren Sohn gesehen; geplant war ein gemeinsames Treffen für einen Urlaub in Italien. In einer letzten Nachricht an seine Mutter teilte der Mann lediglich mit, dass er gut angekommen sei und alles in Ordnung sei – ohne seinen genauen Aufenthaltsort zu nennen.
Der Vater drückte sein tiefes Mitgefühl für die Hinterbliebenen der getöteten jungen Frau sowie für alle Verletzten aus und bat öffentlich um Entschuldigung für die Taten seines Sohnes.
Forderung nach Konsequenzen im Waffenrecht
Für die Angehörigen bleibt unbegreiflich, wie der Tatverdächtige trotz seiner bekannten Schizophrenie-Diagnose an Waffen gelangen und diese behalten konnte. Der Vater fordert, administrative Lücken im Kontrollsystem zu schließen, damit sich derartige Vorfälle nicht wiederholen.
Einen Militärdienst hatte der Beschuldigte nie absolviert. Die formelle Vernehmung der Eltern durch die Ermittlungsbehörden stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.

