Über 20 Jahre Kult: Wie Annemarie Wendl als Else Kling Fernsehgeschichte schrieb
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Annemarie Wendl prägte die ARD-Serie „Lindenstraße“ von der ersten Folge an als resolute Hausmeisterin.
Ihr Ausruf „Sodom und Gomera“ brannte sich fest in das kollektive Gedächtnis des deutschen Fernsehpublikums ein. Mit Kittelschürze, Putzeimer und unerbittlicher Wachsamkeit kontrollierte Else Kling das Treppenhaus der ARD-Kultserie „Lindenstraße“. Dargestellt wurde die legendäre Hausmeisterin von Annemarie Wendl, die am 3. September 2006 im Alter von 91 Jahren in München an Herzversagen verstarb.
Vom Serienstart am 8. Dezember 1985 an bildete Wendl das moralische Zentrum – und den größten Unruheherd – der fiktiven Münchner Straße. Über zwei Jahrzehnte lang urteilte ihre Figur über Nachbarn, durchleuchtete fremde Briefkästen und maß die Welt an ihren streng konservativen Maßstäben.
Die Hausmeisterin der Nation im Haus Nummer 3
Else Kling lebte an der Seite ihres gutmütigen Ehemanns Egon, dargestellt von Wolfgang Grönebaum, im Erdgeschoss des Hauses Nummer 3. Von dort aus entging ihr kaum eine Regung der Nachbarschaft. Ihre Neugier und ihr scharfes Mundwerk machten sie zur gefürchteten Institution unter den Bewohnern.
Else Kling (Annemarie Wendl) kühlt das Veilchen von Olaf (Frank Rampelmann) mit einem Kotelett.
Die Popularität der Rolle reichte weit über die Sonntagabende im Ersten hinaus. In den 1990er-Jahren avancierte Wendl in Werbespots für Buttermilch zum Werbestar, wobei ihr Spruch „Wenn’s schee macht“ Kultstatus erreichte.
Später Ruhm nach jahrzehntelanger Bühnenarbeit
Geboren am 26. Dezember 1914 im oberbayerischen Trostberg, blickte Annemarie Wendl bereits auf eine jahrzehntelange Bühnenkarriere zurück, bevor sie zur Fernsehikone wurde. Ihre schauspielerische Ausbildung absolvierte sie in Berlin bei Lucie Höflich.
Als sie 1985 die Rolle der Else Kling übernahm, war Wendl bereits über 70 Jahre alt. Erst im hohen Alter wurde die Theaterschauspielerin durch das Fernsehen einem Millionenpublikum im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt.

Else Kling (links, Annemarie Wendl) gehörte zu den bekanntesten Figuren der Serie.
Ein surrealer Serientod in Folge 1069
Aus gesundheitlichen Gründen gab Wendl im Dezember 2005 ihren Ausstieg bekannt. Serienfortlaufend wurde für sie ein aufsehenerregender Abschied inszeniert: In Episode 1069 („Abschied und Ankunft“), ausgestrahlt am 28. Mai 2006, blieb Else allein in der Wohnung zurück.
Pünktlich um 18:50 Uhr schaltete die Serienfigur ihren Fernseher ein, um die „Lindenstraße“ anzusehen. Als sie eine geheimnisvolle Stimme rief – eingesprochen von Serienschöpfer Hans W. Geißendörfer –, schritt Else ins helle Licht, nicht ohne sich zuvor lauthals darüber zu beschweren, ihre Sendung nicht beenden zu können.
Das Vermächtnis von 1.758 Episoden
Nur gut drei Monate nach ihrem letzten Auftritt auf dem Bildschirm starb Annemarie Wendl im Spätsommer 2006. Die Serie lief ohne ihre Parade-Hausmeisterin noch fast 14 Jahre weiter, bevor die ARD den Dauerbrenner im März 2020 nach 1.758 Folgen endgültig einstellte.
Seit 2024 sind sämtliche Episoden der Serie digital über den Streamingdienst ARD Plus abrufbar, wo Wendls Werdegang vom ersten Besenschwung bis zum finalen Abgang vollständig dokumentiert bleibt.


