Über 730 Textbausteine überarbeitet: Finanzämter ändern bundesweit ihre Briefe
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Frau mit einem behördlichen Brief neben einem Briefkasten des Finanzamts.
Komplizierte Schachtelsätze und unübersichtliche Paragrafenketten in Schreiben der Steuerverwaltung gehören ab sofort der Vergangenheit an. Bund und Länder haben die Standardschreiben der Finanzämter grundlegend überarbeitet, um die Behördenpost für Millionen Steuerzahler klarer und verständlicher zu gestalten.

Frau hält einen Brief in der Hand neben einem Briefkasten des Finanzamts.
Verständliche Behördenpost statt Fachchinesisch
Die Reform betrifft mehr als 730 Textbausteine, die täglich im Schriftverkehr der Finanzämter zum Einsatz kommen. Nach Angaben eines Sprechers des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalen werden die Neuerungen ab sofort bundesweit angewendet.
„Wer einen Brief vom Finanzamt öffnet, soll sofort verstehen, worum es geht und was zu tun ist“, erklärte NRW-Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk (CDU). Verständliche Sprache sei eine zentrale Voraussetzung für das Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen.
Direkte Formulierungen ersetzen alte Klauseln
Ein konkreter Vorher-Nachher-Vergleich verdeutlicht die sprachliche Vereinfachung im Alltag:
- Bisher: „Gemäß §§ 149, 150 AO in Verbindung mit § 25 Abs. 3 EStG ergibt sich für Sie eine Verpflichtung zur Abgabe der Einkommensteuererklärung.“
- Neu: „Sie sind verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.“
Das Projekt „Bürgernahe Sprache“
Die Überarbeitung geht auf die Bund-Länder-Initiative „Bürgernahe Sprache“ zurück, die auf einem Beschluss der Finanzministerkonferenz aus dem Mai 2018 basiert. Unter Federführung von Nordrhein-Westfalen begleitete das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache das Vorhaben wissenschaftlich.
In einer Untersuchung des Instituts mit über 200 Teilnehmern bewerteten rund 90 Prozent die neuen Formulierungen als deutlich verständlicher und zugleich freundlicher. Von dem Abbau bürokratischer Hürden verspricht sich die Finanzverwaltung schnellere Abläufe und weniger Rückfragen.
Neuer Standard für künftige Steuerbescheide
Die Modernisierung der Texte ist nicht als einmalige Aktion angelegt. Bund und Länder haben vereinbart, sämtliche neu hinzukommenden Vorlagen von Beginn an nach den Grundsätzen der bürgernahen Sprache zu verfassen.
