Überwachungsskandal in Serbien: Mindestens 14 Aktivisten und Politiker mit Spähsoftware attackiert
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Ana Brnabić, Präsidentin des serbischen Parlaments.
In Serbien sorgt eine massive Welle digitaler Überwachung für Aufsehen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Share Foundation gerieten mindestens 14 Personen aus der Zivilgesellschaft ins Visier hochentwickelter Spähsoftware.
Unter den Zielpersonen befinden sich Studierende, Aktivisten, Kommunalpolitiker sowie Vertreter der Opposition. Es handelt sich um die bislang umfangreichste dokumentierte Spionageattacke dieser Art im Land.
Versteckte Zero-Click-Angriffe via Pegasus
Die digitale Offensive flog auf, nachdem der US-Konzern Apple im August Warnmeldungen an Nutzer in 110 Ländern verschickt hatte. Forensische Analysen des kanadischen Forschungsinstituts Citizen Lab bestätigten mindestens eine Infektion mit dem Spionageprogramm Pegasus.
Das Werkzeug des israelischen Herstellers NSO Group nutzte sogenannte Zero-Click-Schwachstellen aus. Bei diesem Verfahren benötigt die Software keinerlei Interaktion des Nutzers, um vollständigen Zugriff auf das Mobiltelefon zu erlangen.
Serie von Cyberangriffen seit 2024
Bereits Ende 2024 registrierte Amnesty International den Einsatz der Schadsoftware NoviSpy gegen serbische Aktivisten. Im Februar 2025 folgte ein dokumentierter Fall bei einem Studentenvertreter, bevor im März 2025 Angriffe mit Pegasus auf zwei Journalistinnen nachgewiesen wurden.
Die NSO Group betont stets, Pegasus ausschließlich an staatliche Stellen zur Verbrechensbekämpfung zu verkaufen. Die serbische Regierung weist jede Beteiligung an den Ausspähungen von sich.

Wahlen und wachsende Proteste im Visier
Die Share Foundation sieht einen direkten zeitlichen Zusammenhang mit den Kommunalwahlen vom 29. März 2026. In zehn Gemeinden traten Oppositionsbündnisse mit Unterstützung engagierter Studenten gegen Kandidaten der Regierungspartei SNS an.
Die Protestbewegung formierte sich nach dem tödlichen Einsturz eines Bahnhofsvordachs Ende 2024 und entwickelte sich zu einer der größten Demonstrationswellen in Europa. Angesichts einer für Oktober angesetzten Parlamentswahl wächst die politische Spannung im Land spürbar.
Ana Brnabić, Präsidentin des serbischen Parlaments
Parlamentspräsidentin Ana Brnabić wies die Berichte scharf zurück. Sie schenke den Aussagen der Share Foundation und der betroffenen Studierenden keinen Glauben.
Rechtliche Bedenken und internationale Kritik
Bürgerrechtsorganisationen warnen vor gravierenden Rechtsverstößen. Ana Toskić Cvetinović von der Organisation Partneri Srbija stellte klar, dass der Einsatz derartiger Überwachungstechnologie nach serbischem Recht zwingend an strenge gesetzliche Hürden und richterliche Beschlüsse gebunden ist.
Die NSO Group wurde 2021 von der US-Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt. Obwohl das Unternehmen 2025 von einer US-amerikanischen Investmentgruppe übernommen wurde, verbleibt der operative Sitz in Israel unter der dortigen Gesetzgebung.

