Ukrainische Drohnenangriffe auf Wildberries: Russlands Logistik unter Beschuss
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Ein Brand in einem Wildberries-Lagerhaus in der russischen Region Woronesch.
Ein ukrainischer Drohnenangriff auf ein Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries in der russischen Region Woronesch hat ein Todesopfer und zwei Verletzte gefordert. Der Vorfall ist Teil einer zunehmenden Serie von gezielten Schlägen gegen die Infrastruktur von Russlands größtem E-Commerce-Unternehmen.
Deadly Ukrainian drone attack ignites Russian Wildberries warehouse
Ausweitung der Angriffsstrategie
Die ukrainische Kampagne konzentriert sich zunehmend auf russische Industrie- und Logistikzentren. Am Donnerstag traf eine Drohne einen Öl- und Petrochemiekomplex in Baschkortostan, was ebenfalls einen Brand in einer Wildberries-Einrichtung auslöste. Das Unternehmen, oft als „russisches Amazon“ bezeichnet, gab an, dass die Anlage evakuiert wurde und zum Zeitpunkt des Angriffs keine Waren gelagert waren.
Ein Brand in einem Wildberries-Lagerhaus in der russischen Region Woronesch.
Die Angriffswelle begann bereits am 18. Juli, als Drohnen Zentren in Kotowsk und Elektrostal trafen. Dabei kamen nach Berichten sieben Menschen ums Leben, über 60 wurden verletzt. Weitere Angriffe folgten am 22. Juli in Krasnodar und Newinnomyssk, die ebenfalls Brände verursachten und 15 Personen verletzten.
Wirtschaftliche und psychologische Folgen
Kateryna Bondar, Expertin am Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS), bewertet die Taktik als „kinetische Sanktionsdurchsetzung“. Laut ukrainischen Medienberichten belaufen sich die Gesamtschäden für Wildberries und die dort registrierten Händler auf etwa 6 bis 8,5 Milliarden US-Dollar (600 bis 800 Milliarden Rubel).
Lagerhaus von Wildberries nach einem Angriff.
„Da nur 5 bis 7 Prozent der Verkäufer versichert sind, trifft der Schaden vor allem Zehntausende kleiner Unternehmen“, erklärt Bondar. Schätzungsweise 27 Prozent der Lagerkapazitäten von Wildberries seien aktuell außer Betrieb. Zudem erzeugen die Angriffe einen erheblichen psychologischen Druck auf die russische Bevölkerung, die das Vertrauen in die heimische Luftabwehr verliert.

Reaktion der Konzernführung
Wildberries-Gründerin und CEO Tatyana Kim verurteilte die Angriffe in einer Videobotschaft als „Terroranschläge“. Sie betonte, dass die Angriffe gegen die Interessen von Millionen von Menschen in zehn Ländern gerichtet seien. Kim lehnt eine Haftung für die Schäden der Händler ab, was die Spannungen innerhalb des Netzwerks erhöht.
Tatyana Kim, Gründerin und CEO von Wildberries.
Die Ukraine betrachtet die Lagerhäuser laut Bondar als strategische Knotenpunkte für sogenannte „Dual-Use“-Güter – Waren, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, wie etwa Komponenten für FPV-Drohnen oder Schutzausrüstung. Zudem dienen die Schläge als Vergeltungsmaßnahme für russische Angriffe auf ukrainische Logistiknetzwerke wie Nova Poshta und Ukrposhta.
Rauchentwicklung an einem Wildberries-Standort nach einem Angriff.
Informationskontrolle und Sicherheitsbedenken
Interne Richtlinien, wie das Verbot von Mobiltelefonen für Mitarbeiter in den Lagern, werden offiziell mit Sicherheitsgründen begründet. Experten wie Bondar vermuten jedoch, dass es sich primär um eine Strategie zur Informationskontrolle handelt, um die Verbreitung von Echtzeit-Aufnahmen der Schäden zu unterbinden.
Satellitenaufnahme eines beschädigten Wildberries-Standorts.
Das harte Vorgehen sendet laut Beobachtern ein deutliches Signal an die russische Wirtschaftselite: Die Nähe zum Kreml bietet keinen absoluten Schutz mehr, und private Unternehmen müssen zunehmend die direkten Kosten des Krieges tragen.





