Urlaub unter Luftalarm: Warum russische Touristen trotz Krieg in Sotschi bleiben
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Der Alltag an den Stränden rund um Sotschi ist inzwischen von den Auswirkungen des Krieges geprägt.
Der Alltag an den Stränden rund um Sotschi ist längst kein unbeschwerter Sommerurlaub mehr. Während im Hintergrund Luftschutzsirenen heulen, setzen Urlauber ihre Strandgänge ungerührt fort. Das berichtet die Financial Times.
Die Moskauer Friseurin Antonina Kirsanowa fasste die resignierte Stimmung auf Instagram treffend zusammen: „Ohne Risiko kein Gewinn.“ Nur eine Woche nach ihrer Aussage forderte ein Drohnenabsturz am Strand von Archipo-Ossipowka sieben Todesopfer und zahlreiche Verletzte.
Einbruch der Buchungszahlen, aber keine Alternativen
Militärische Angriffe richten sich zunehmend gegen die Energieinfrastruktur. In Städten wie Noworossijsk und Tuapse führen diese Attacken regelmäßig zu Bränden, Ölteppichen und einer akuten Benzinknappheit.
Die Konsequenzen sind messbar: Einige Hotels verzeichnen Buchungsrückgänge von bis zu 20 Prozent, bei den Flügen nach Sotschi liegt das Minus sogar bei 40 Prozent. Laut dem Branchenverband Amos sank die Zahl der Touristen in der Region insgesamt um 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Dennoch bleiben die Strände und Cafés in der Region überfüllt. Für viele russische Urlauber gibt es schlicht keine Alternativen mehr für den Sommerurlaub.

Putin meidet die Schwarzmeerküste
Die Sicherheitslage hat sich so drastisch verschärft, dass selbst Präsident Wladimir Putin sein Domizil in Sotschi kaum noch aufsucht. Vor der Invasion im Jahr 2021 reiste er noch 24-mal in seine dortige Residenz. In den Jahren 2024 und 2025 waren es laut Kreml-Angaben nur noch zwei Besuche.
Für die Zivilbevölkerung ist die Lage anders: Westliche Sanktionen machen Reisen ins Ausland für viele unerschwinglich, und Angestellte im Rüstungssektor sind ohnehin mit einem Ausreiseverbot belegt. Über 80 Prozent der russischen Urlauber bleiben deshalb im eigenen Land.
„Es ist ihnen einfach egal“
Für Einheimische und Gäste gehört die ständige Bedrohung mittlerweile zum gewohnten Bild. Maria, Betreiberin eines Gästehauses in Kabardinka, beschreibt die Stimmung ihrer Gäste gegenüber der Financial Times: „Die Menschen sind es so leid, in diesem verdammten Albtraum zu leben, dass es ihnen einfach egal ist.“
Gleichzeitig bleibt die Lage auf der annektierten Halbinsel Krim hochgradig angespannt. Aufgrund von anhaltenden Angriffen und des dort herrschenden Ausnahmezustands sind wichtige Ressourcen wie Treibstoff, Strom und Wasser streng rationiert.
