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US-Studie: 18 statt 4 Prozent Autoimmunerkrankungen nahe früherem Atomgelände

Das frühere Testgelände Santa Susana Field Laboratory in Kalifornien Aktuelle News

Auf dem Gelände des Santa Susana Field Laboratory ereignete sich 1959 eine partielle Kernschmelze.

Nordwestlich von Los Angeles liegt ein Areal mit brisanter Vorgeschichte: Im Santa Susana Field Laboratory wurden über Jahrzehnte Raketentriebwerke erprobt und Kernreaktoren betrieben. Im Jahr 1959 ereignete sich dort zudem eine partielle Kernschmelze.

Heute wohnen Zehntausende Menschen in der Nachbarschaft der früheren Forschungsstätte. Eine Untersuchung der University of Southern California (USC) legt nun offen, dass Anwohner in direkter Nähe auffallend oft unter schweren chronischen Leiden stehen.

Signifikant mehr Diagnosen im Acht-Kilometer-Radius

Die Forschenden stellten ein klares Gefälle fest: Im Umkreis von rund acht Kilometern um das Gelände meldeten 18 Prozent der Befragten eine Autoimmunerkrankung. In einer Entfernung von 18 bis 24 Kilometern lag dieser Anteil hingegen bei lediglich vier Prozent.

Ein nahezu identisches Bild zeigte sich bei Stoffwechsel- und Hormonstörungen. Im direkten Umfeld gaben 15 Prozent der Teilnehmer an, an einer solchen endokrinen Störung zu leiden. In den weiter entfernten Wohngebieten waren es nur zwei Prozent.

Insgesamt berichtete mehr als ein Drittel aller Studienteilnehmer, seit dem Zuzug in die Gegend mindestens eine chronische Diagnose erhalten zu haben.

Wohlhabende Anwohner und unerwartetes Schutzverhalten

Die Demografie der untersuchten Gruppe weicht deutlich von typischen US-Altlastengebieten ab. Während sogenannte Superfund-Standorte meist in einkommensschwächeren Regionen liegen, verdienten 56 Prozent der befragten Haushalte rund um Santa Susana mindestens 100.000 US-Dollar pro Jahr.

Eigentlich treten chronische Leiden in höheren Einkommensschichten seltener auf. Das Team untersuchte daher auch, wie finanzielle Sicherheit den Umgang mit Umweltgefahren prägt.

„Wir gingen davon aus, dass wohlhabendere Menschen mehr Schutzmaßnahmen ergreifen würden, weil sie größere Möglichkeiten haben, mit dem Risiko umzugehen“, erklärt Studienleiterin Jenna Blyler vom USC Wrigley Institute for Environment and Sustainability. „Stattdessen war es die Angst vor der Kontamination, die Schutzmaßnahmen auslöste, und nicht das Gefühl, die Risiken selbst beherrschen zu können.“

US-Studie: 18 statt 4 Prozent Autoimmunerkrankungen nahe früherem Atomgelände

Vorsichtsmaßnahmen im Alltag

Viele Familien im Umfeld haben ihren Alltag an das vermutete Risiko angepasst. Zu den erfassten Verhaltensweisen zählen unter anderem:

  • Nutzung spezieller Filtersysteme für Leitungswasser
  • Ausziehen der Straßenschuhe vor dem Betreten des Hauses
  • Verzicht auf den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten
  • Vermeidung von Außenaufenthalten an stürmischen Tagen

Auffällig war ein unüblicher Zusammenhang: Je teurer eine Schutzmaßnahme erschien, desto eher wurde sie umgesetzt. Die Forscher vermuten, dass höhere Kosten subjektiv mit einer besseren Schutzwirkung gleichgesetzt werden.

Jahrzehntelange Verseuchung durch Reaktoren und Raketentests

Zwischen 1949 und 2006 diente das Areal intensiven Triebwerkstests, von 1953 bis 1980 waren zudem mehrere Reaktoren in Betrieb. Chemikalien und radioaktive Isotope gelangten über Jahre hinweg in Böden und Grundwasser.

Die Kernschmelze von 1959 gilt als einer der folgenschwersten Reaktorunfälle in den Vereinigten Staaten. Obwohl das Areal seit 2007 die Kriterien für das staatliche Superfund-Sanierungsprogramm erfüllt, fehlt bis heute die Aufnahme in die nationale Prioritätenliste der Bundesbehörden.

Grenzen der aktuellen Studiendaten

Historische Gesundheitsdaten der Region lieferten bislang kein einheitliches Bild für alle Krebsarten, wenngleich es bei Blasen-, Blut- und Schilddrüsenkrebs statistische Auffälligkeiten gab.

Die aktuellen Befunde zu Autoimmun- und Hormonerkrankungen basieren auf Selbstauskünften von 475 Teilnehmenden zu einem einzelnen Erhebungszeitpunkt. Eine direkte physikalische Kausalität zwischen den spezifischen Altlasten und den Erkrankungen lässt sich daraus noch nicht ableiten; dafür sind langfristige Erhebungen mit individuellen Expositionsmessungen erforderlich.