Vermisster Kanadier? Über 500 Hinweise zu rätselhaftem „Lucky“ aus Amsterdam
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Die Amsterdamer Polizei sucht seit Tagen intensiv nach der Identität des Patienten.
Die Suche nach der Identität eines Mannes, der seit über drei Jahren als „Lucky“ bekannt ist, nimmt eine neue Wendung. Nachdem die Amsterdamer Polizei am 17. August öffentlich um Mithilfe gebeten hatte, gingen laut Berichten des Senders RTL inzwischen mehr als 500 Hinweise ein.
Einige dieser Spuren deuten auf einen konkreten Verdacht hin: Es könnte sich um den Kanadier John Russell Kenny handeln, der seit 1994 offiziell als vermisst gemeldet ist.
Eine Spur führt nach Kanada
Der entscheidende Hinweis kam offenbar über Facebook. Ein Nutzer namens Anton van Straten bemerkte eine auffällige optische Ähnlichkeit zwischen dem in den Niederlanden lebenden Mann und alten Aufnahmen des vermissten Kanadiers. Die Polizei in Vancouver wurde bereits informiert und steht im Austausch mit den niederländischen Kollegen.
Sander Meyer von der Cold Case Affairs Foundation sieht deutliche Übereinstimmungen: „Die Augen sehen ähnlich aus, die Nase auch, und die dunklen Augenbrauen. Es könnte durchaus er sein.“ Ein DNA-Abgleich mit internationalen Datenbanken verlief bislang jedoch ergebnislos – möglicherweise, weil keine Vergleichsproben von Angehörigen hinterlegt sind.
Das Schicksal von „Lucky“
Der Mann wurde im Mai 2023 nach einem medizinischen Notfall – einer Hirnblutung oder einem Hirninfarkt – in das Amsterdamer OLVG-Krankenhaus eingeliefert. Seitdem leidet er unter schwerer Aphasie, einer Sprachstörung, die eine verständliche Kommunikation nahezu unmöglich macht. Er lebt heute in einer Pflegeeinrichtung.

Ehrenamtliche Ermittler, die pensionierten Polizisten Ruud Schoenmaker und Nel Schep, versuchen das Rätsel zu lösen. Trotz Versuchen mit Sprachcomputern oder dem Zeigen auf Buchstaben bleibt eine direkte Befragung ohne Erfolg. Der Mann reagiert meist nur mit den englischen Begriffen „nonsense“ oder „definitely“.
Viele Namen, keine Identität
Die Ermittlungen ergaben ein verwirrendes Bild seiner Vergangenheit. In Amsterdam war er unter verschiedenen Namen bekannt: Mal als „Lucky“, „Louis“, „Lee“, „John“, „Ponytail“ oder „Sonny“. In einem Café am Waterlooplein wurde er zudem oft „Chris der Kanadier“ genannt.
Da sein Englisch einen deutlich nordamerikanischen Akzent aufweist, hat die Polizei Interpol eingeschaltet. „Es ist verrückt, dass man in den Niederlanden vielleicht zwanzig Jahre lang unter dem Radar leben kann“, so Nel Schep. Bisher konnte kein privates Umfeld oder eine Familie für den Mann ausfindig gemacht werden.
Hintergrund: Was ist Aphasie?
Bei einer Aphasie, wie sie der Patient aufweist, sind primär die Sprachverarbeitung und Wortfindung gestört. Das Denken und die Intelligenz bleiben davon meist unberührt. Nach Angaben der Deutschen Hirnstiftung leiden allein in Deutschland über 100.000 Menschen an dieser Folge von Hirnschädigungen, jährlich kommen etwa 25.000 neue Fälle hinzu.
