Vom Boden in die Zukunft: Das größte Elektro-Flugzeug der Welt besteht den Erstflug
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Das Heart Aerospace X1 ist das größte jemals geflogene vollelektrische Flugzeug.
Als die viermotorige Heart Aerospace X1 abhob, war dies ein technischer Meilenstein. Mit einer Spannweite von 32 Metern, einer Länge von 23 Metern und einem Abfluggewicht von rund 11,4 Tonnen ist sie das bisher größte rein batterieelektrische Flugzeug der Welt.
Der bemannte Jungfernflug dauerte genau 27 Minuten und führte das Modell auf eine Höhe von 335 Metern. Die Energiekosten für diesen Einsatz waren bemerkenswert gering: Sie beliefen sich auf umgerechnet rund fünf US-Dollar. Bei einem angenommenen Strompreis von 22 Cent pro Kilowattstunde entspricht das einem Verbrauch von lediglich 22,7 Kilowattstunden – ein Wert, den auch moderne Elektro-Pkw auf Autobahnetappen erreichen.
Technik auf dem Weg zur Serie
Vier Elektromotoren liefern in der Spitze bis zu einem Megawatt Leistung. Die X1 fungiert dabei als fliegender 1:1-Testträger, um Software, Aerodynamik und Hochvolt-Systeme unter realen Bedingungen zu validieren.
Das eigentliche Ziel ist das Serienmodell ES-30, ein Hybridflugzeug für bis zu 30 Passagiere. Auf Strecken bis zu 200 Kilometern fliegt die ES-30 rein batterieelektrisch und lokal emissionsfrei. Für Distanzen bis zu 800 Kilometer oder widrige Wetterlagen schalten sich zwei Turbogeneratoren zu, die mit nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) betrieben werden. Die Flugerprobung ist für 2028, der kommerzielle Start für 2031 angesetzt.
Effizienz durch Hochvolt-Architektur
Herzstück der Entwicklung ist das Energiespeichersystem, das in Kooperation mit BAE Systems entsteht. Die Ingenieure setzen auf luftfahrtzertifizierte Lithium-Ionen-Zellen mit hoher thermischer Stabilität.
Um das Gewicht der Verkabelung zu minimieren, arbeitet das System mit einer 800-Volt-Architektur, die bis auf über 1.000 Volt ausgelegt ist. Um zudem kurze Bodenzeiten von unter 30 Minuten zu ermöglichen, unterstützt das Flugzeug das „Megawatt Charging System“ (MCS). Die bordeigenen Schnittstellen erlauben Ladeleistungen von bis zu 3,75 Megawatt.

Großes Interesse bei Airlines
Heart Aerospace verspricht eine Senkung der Betriebskosten um mindestens 40 Prozent gegenüber klassischen Turboprop-Maschinen. Faktoren wie geringe Stromkosten, minimierter Wartungsaufwand für Elektromotoren und effiziente Softwarearchitekturen überzeugten bereits United Airlines, Air Canada und den Regionalanbieter JSX, die feste Absichtserklärungen unterzeichnet haben.
Das 2018 von Anders und Klara Forslund gegründete Unternehmen hat seinen Sitz mittlerweile in Torrance bei Los Angeles. Bislang flossen etwa 190 Millionen US-Dollar in das Projekt. Der CEO Anders Forslund, ein Experte für Flugzeugproduktentwicklung, gilt als treibende Kraft in der globalen Entwicklung hin zur elektrischen Luftfahrt.
Der globale Wettbewerb
Da die zivile Luftfahrt aktuell für zwei bis drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, arbeiten weltweit rund 200 Projekte an elektrischen Konzepten. Während das zweisitzige Modell Pipistrel Velis Electro bereits im Einsatz ist, stehen andere Projekte wie die „Alice“ von Eviation aufgrund mangelnder Finanzierung vor großen Herausforderungen.
Der französische Hersteller Aura Aero entwickelt mit der ERA ein 19-sitziges Hybrid-Modell, während Unternehmen wie ZeroAvia auf die Nachrüstung bestehender Turboprops durch Wasserstoff-Brennstoffzellen setzen.
