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On Air Festival

Vom Cockpit aus gegen das Chaos: Wie ADAC-Stauflieger den Verkehr in Echtzeit lenken

Ein ADAC-Ultraleichtflugzeug im Flug über bayerische Berge. Aktuelle News

Robert Sandler unterstützt die Stauberater aus der Luft, um den Reiseverkehr effizienter zu leiten.

„Drei Kilometer Rückstau auf der Fernpassstraße, nach dem Grenzübergang bei Füssen.“ Die Stimme von Robert Sandler ist ruhig, während er seine Beobachtung über Funk an „Antenne Bayern“ durchgibt. Unter seinem Ultraleichtflugzeug windet sich der Urlauberverkehr wie eine Blechschlange durch die Alpen.

Während Reisende in ihren Fahrzeugen oft nur auf veraltete Daten ihrer Navigations-Apps vertrauen, liefert Sandler die harte Realität. Er sieht, was die Algorithmen nicht erfassen: ob sich ein Stau durch einen Unfall oder durch ein Überlastungs-Phänomen bildet. Aus den prognostizierten fünf Minuten Verzögerung werden laut seiner Einschätzung schnell 15 bis 30 Minuten.

Der Start in den Alpen

Sandler, 77 Jahre alt, ist ein Profi mit Routine. Sein Tag beginnt an einem kleinen Flugplatz bei Unterwössen, der seit 2024 als Basis für die ADAC-Flugbeobachtung dient. Vor jedem Start führt er ein festes Ritual durch: Checkliste, Wetter-Check und die Installation der Funkkonsole für den direkten Draht zu Radiosendern und den Stauberatern am Boden.


Ein Ultraleichtflugzeug des ADAC im Flug.

Die Route folgt meist der A8 Richtung München. Aus 300 Metern Höhe lassen sich Stauursachen oft präzise benennen – etwa am Irschenberg. „Wenn ein Auto bremst, bremst der Hintermann stärker. Durch Lkw und Wohnwagen am Berg schaukelt sich das hoch“, erklärt Sandler. Ein generelles Tempolimit helfe hier oft, den Fluss aufrechtzuerhalten, statt durch ständige Bremsmanöver das Chaos zu vergrößern.

Mehr als nur eine App

Warum braucht es noch Stauflieger, wenn doch jede App in Echtzeit warnt? „Weil ich die Ursachen erkenne“, betont Sandler. Ein Navigationssystem unterscheidet oft nicht zwischen einer kurzen Verzögerung und einem schweren Unfall, der die Strecke für Stunden blockiert. Sandler hingegen liefert durch seine über 20-jährige Erfahrung eine fundierte Einschätzung, die oft entscheidet, wo die ADAC-Stauberater auf ihren Motorrädern eingesetzt werden, um vor Ort Hilfe zu leisten.

Vom Cockpit aus gegen das Chaos: Wie ADAC-Stauflieger den Verkehr in Echtzeit lenken

Das größte Stau-Szenario erlebte er vor fast 20 Jahren auf der Tauernautobahn: 40 Kilometer Rückstau und fünf Stunden Zeitverlust. „Die Kolonne nahm einfach kein Ende“, erinnert er sich. Reisende begannen damals sogar, Picknicks auf dem Standstreifen zu veranstalten.

Sandlers Regeln für die Rückreise

Nach zwei Jahrzehnten in der Luft gibt der Experte klare Empfehlungen für eine entspanntere Heimreise:

  • Nicht ausweichen: Wer bei Stau auf Landstraßen ausweicht, verlagert das Problem oft nur. In vielen Regionen Bayerns und Österreichs gibt es mittlerweile Durchfahrtsverbote, um Anwohner zu schützen.
  • Günstige Reisetage wählen: Freitag und Samstag sind riskant. Überraschenderweise sind Sonntage oft entspannter. Wer flexibel ist, sollte auf Wochentage zwischen Montag und Donnerstag setzen.
  • Vorsicht bei „Frühstartern“: Wer zu früh losfährt, landet oft genau dann am Tunnel, wenn alle anderen auch ihren ersten Cappuccino-Stopp planen.
  • Nachtfahrten: Sie sind deutlich leerer, erfordern aber absolute Ausgeruhtheit. Koffein ist kein Ersatz für den notwendigen Schlaf.

Die Beobachtungen aus der Luft bleiben ein zentraler Baustein, um den Reiseverkehr in den Sommermonaten zu entzerren. Während der Reporter im kleinen Flugzeug die Thermik über München spürt und die Maschine unruhig tanzt, bleibt Sandler gelassen – sein Blick gehört dem Verkehr unter ihm.