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Vom Untergang keine Spur: Warum deutsche Firmen trotz Krise Rekordgewinne einfahren

Blick auf die Frankfurter Börse bei Handelsbeginn. Aktuelle News

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich an den Finanzmärkten deutlich robuster, als die allgemeine Stimmung vermuten lässt.

Deutschland steckt in einer Krise – das ist mittlerweile nationale Gewissheit. Die Industrie schwächelt, Energie bleibt kostspielig, Zölle aus den USA belasten, China wandelt sich vom Absatzmarkt zum direkten Konkurrenten, und geopolitische Konflikte wie der Krieg im Nahen Osten halten die Ölpreise hoch. Wer sich bei mittelständischen Unternehmern umhört, erntet oft mehr Frust als Optimismus.

Doch die nackten Zahlen widersprechen diesem Untergangsszenario hartnäckig. Die 40 Dax-Konzerne steigerten ihre Nettogewinne im ersten Halbjahr um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem Rekordwert von knapp 128 Milliarden Euro.

Jenseits der Dax-Giganten: Der Boom im MDax und SDax

Dass Weltkonzerne ihr Geld global verdienen, ist bekannt. Doch auch in der zweiten und dritten Reihe ist von einer generellen Standortkrise oft wenig zu spüren.

Nemetschek, der Münchner Software-Spezialist für die Baubranche, glänzt durch zweistellige Wachstumsraten bei Cloud-Lösungen. Auch der Kölner Motorenbauer Deutz transformiert sich erfolgreich: Durch Kostendisziplin und die Erschließung neuer Märkte in den Bereichen Energie und Verteidigung wachsen Auftragseingänge und operative Gewinne.

Der Finanzdienstleister MLP, das Rüstungsunternehmen Hensoldt mit einem Auftragsbestand von zehn Milliarden Euro sowie spezialisierte Maschinenbauer wie Krones oder Industriedienstleister wie Bilfinger beweisen, dass die wirtschaftliche Realität weit komplexer ist als das tägliche Stimmungsbild.

Die Trennung von Börse und Standort

Die Diskrepanz lässt sich einfach erklären: An der Börse werden Unternehmen gehandelt, nicht das Land. Ein Konzern mit Sitz in München oder Walldorf ist heute oft stärker vom Bau eines Rechenzentrums in den USA abhängig als vom Konsumklima vor der eigenen Haustür.

Es vollzieht sich ein Strukturwandel: Rüstung, digitale Infrastruktur, Energienetze und Software-Abos ersetzen zunehmend klassische Geschäftsmodelle wie den Export von Verbrennungsmotoren nach China.

Vom Untergang keine Spur: Warum deutsche Firmen trotz Krise Rekordgewinne einfahren

Ohne deutsche Technik läuft kein KI-Boom

Ein prominentes Beispiel ist Zeiss aus Oberkochen. Der Optik-Spezialist liefert essenzielle Komponenten für die Lithografiemaschinen von ASML. Ohne diese Hochpräzisionsoptik ließen sich die modernen Chips, die für den weltweiten KI-Boom notwendig sind, kaum in Serie produzieren.

Auch Siemens Energy profitiert massiv vom globalen Stromhunger. Siemens selbst liefert die technologische Infrastruktur für Rechenzentren, während Infineon und Merck als Zulieferer für Halbleiter und Spezialmaterialien agieren. Die deutsche Industrie liefert quasi das notwendige „Werkzeug“ für die technologische Revolution, auch wenn sie diese nicht in der ersten Reihe anführt.

Kriseneffekte: Wenn Sparen den Gewinn treibt

Ein weiterer Faktor für die hohen Gewinne ist paradox: Die Krise selbst zwingt Unternehmen zur Effizienzsteigerung. Werksschließungen, Personalabbau und Restrukturierungen, die politisch und gesellschaftlich schmerzhaft sind, schlagen sich in den Quartalsbilanzen als höhere Margen nieder. Was als gesamtwirtschaftliche Schwäche wahrgenommen wird, steigert kurzfristig die Profitabilität für die Aktionäre.

Fazit: Zwei Geschwindigkeiten in einer Wirtschaft

Deutschland hat derzeit nicht die eine Wirtschaft, sondern zwei Welten. Da ist die „alte Wirtschaft“, die an billiger Energie und klassischen Exportwegen festhängt. Daneben wächst eine resiliente Wirtschaft, die an Elektrifizierung, Digitalisierung und Sicherheit verdient.

Während die Politik und die Öffentlichkeit über die Rettung alter Geschäftsmodelle debattieren, haben viele deutsche Unternehmen diesen Punkt längst hinter sich gelassen. Der Dax notiert in der Nähe seiner Höchststände – ein deutliches Signal, dass sich die Kapitalmärkte vom deutschen Katzenjammer längst abgekoppelt haben.