Zum Inhalt springen
On Air Festival

Von 600 auf 200 Euro: HUK-Chef prognostiziert drastischen Preisverfall bei Kfz-Policen

Symbolbild Kfz-Versicherung und Straßenverkehr Aktuelle News

Fortschreitende Assistenzsysteme senken die Unfallzahlen auf deutschen Straßen drastisch.

Eine Kfz-Police, die heute mit 600 Euro zu Buche schlägt, könnte künftig für denselben Versicherungsschutz nur noch rund 200 Euro kosten. Diese Prognose stellte Klaus-Jürgen Heitmann, Chef des Marktführers HUK-Coburg, im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf.

Was für Autofahrer nach einer massiven Entlastung klingt, ist für die Assekuranz eine handfeste Warnung. Der Markt für Kfz-Versicherungen steht vor einem drastischen Schrumpfungsprozess von bis zu einem Drittel.

Warum Kfz-Policen langfristig massiv billiger werden könnten

Die Unfallhäufigkeit sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich. Anfang der 1970er-Jahre registrierten die Versicherer rund 150 Unfälle pro 1.000 versicherten Fahrzeugen – heute liegt dieser Wert bei etwa 40.

Dass die Beitragseinnahmen der Branche dennoch stabil blieben, lag vor allem am starken Anstieg des Fahrzeugbestands. Dieser wuchs in Deutschland von 18,5 Millionen im Jahr 1972 auf aktuell 61,3 Millionen angemeldete Kraftfahrzeuge an.

Fahrassistenz und autonome Systeme drücken die Schadenquote

Systeme wie Notbremsassistenten und Spurhaltekorrekturen gehören inzwischen zur Standardausstattung moderner Fahrzeuge. HUK-Chef Heitmann hält einen weiteren Rückgang auf perspektivisch zehn Schäden pro 1.000 Autos für realistisch.

Zudem setzt der Marktführer auf autonome Technologien nach Vorbild US-amerikanischer Robotaxis. Ein dauerhafter Einbruch der Unfallzahlen zwingt die Branche über den Wettbewerb dazu, Kostenvorteile direkt an die Versicherten weiterzureichen.

Preiskampf und exaktere Risikobewertung

Gleichzeitig verschärfen Plattformen wie Check24 den Wettbewerb, über die jährlich geschätzte 1,5 Millionen Kfz-Verträge vermittelt werden. HUK-Coburg verzichtet bewusst auf Vergleichsportale und hält die eigene Kostenquote mit unter neun Prozent der Beitragseinnahmen deutlich unter dem Marktschnitt von rund 17 Prozent.

Von 600 auf 200 Euro: HUK-Chef prognostiziert drastischen Preisverfall bei Kfz-Policen

Mithilfe von Datenanalyse und KI passen Versicherer ihre Tarife bereits heute feiner an. Ein 18-jähriger Fahrer eines gut ausgestatteten, fünf Jahre alten Fahrzeugs zahlt dank moderner Schutzsysteme und weiterer eingetragener Fahrer künftig 590 statt zuvor 650 Euro im Jahr.

Gegenwind: Reparaturkosten und Schadeninflation treiben Preise

Trotz der sinkenden Schadenzahlen herrscht bei den Reparaturkosten eine spürbare Inflation. Der Versicherungsbranche machen vor allem die stark gestiegenen Preise für Ersatzteile zu schaffen, die für Automobilhersteller eine zentrale Ertragsquelle darstellen.

Hinzu kommen Stundensätze in Werkstätten, die in Einzelfällen bereits über 400 Euro liegen. Selbst vertraglich gebundene Partnerwerkstätten müssen steigende Personalkosten an die Auftraggeber weitergeben.

Teure Sensoren und extreme Personenschäden

Ausgerechnet moderne Sicherheitstechnik treibt die Kosten bei Bagatellschäden in die Höhe. Sensoren, Kameras und Radarmodule sitzen an exponierten Stellen wie Stoßfängern oder Windschutzscheiben – simple Rempler erfordern dadurch oft teure Neuteile samt aufwendiger Neukalibrierung.

Einen massiven Kostenblock bilden zudem schwere Personenschäden, die zwar nur sieben Prozent aller Fälle ausmachen, aber immense Summen binden. Heitmann verweist auf einen Unfall aus dem April 2025, bei dem lebenslange Pflegekosten, Umbauten und Verdienstausfälle für ein schwer verletztes Opfer rund 15 Millionen Euro Gesamtschaden verursachen.

Alte Autos ohne Schutztechnik werden teurer

Die präzisere Risikokalkulation führt keineswegs für jeden Fahrer zu sinkenden Beiträgen. Wer ein älteres Modell ohne moderne Fahrassistenz steuert und als Alleinfahrer ein geringes Erfahrungsprofil aufweist, zahlt bei der HUK künftig 870 statt bisher 820 Euro jährlich.