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Von 70 auf 126 Fälle in Europa: Bakterielle Hautinfektion „Regenfäule“ breitet sich aus

Von 70 auf 126 Fälle in Europa: Bakterielle Hautinfektion „Regenfäule“ breitet sich aus Aktuelle News

Von 70 auf 126 Fälle in Europa: Bakterielle Hautinfektion „Regenfäule“ breitet sich aus

In Europa breitet sich eine seltene bakterielle Hautkrankheit aus, die bisher vor allem aus der Tiermedizin bekannt war. Nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) kletterte die Zahl der registrierten Infektionen binnen weniger Monate von 70 im Juni auf 126 im August.

Bislang galt eine Übertragung von Mensch zu Mensch als absolute Ausnahme. Frühere Fälle traten fast ausschließlich nach direktem Kontakt mit Tieren auf.

Was hinter dem Erreger der „Regenfäule“ steckt

Die Infektion heißt in der Fachsprache Dermatophilose und wird durch das Bakterium Dermatophilus congolensis verursacht. Der Erreger befällt typischerweise Pferde und Wiederkäuer.

Ihren umgangssprachlichen Namen verdankt die „Regenfäule“ der Tatsache, dass sich das Bakterium bei hoher Luftfeuchtigkeit und Nässe besonders schnell vermehrt. Neben Deutschland wurden Infektionen inzwischen in Frankreich, Spanien, Norwegen und Schottland registriert.

Übertragung bei engem Körperkontakt

Die Ansteckung erfolgt über direkten Hautkontakt. Nach aktuellen Behördenangaben betrifft der Ausbruch vor allem Männer, die Sex mit Männern haben – insbesondere im Umfeld von Einrichtungen wie Sex-positiven Saunen.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist eine Übertragung durch sexuelle Kontakte oder eine gemeinsame Umweltexposition in feuchten Saunaumgebungen plausibel. Vereinzelte Fälle wurden zudem nach Kontaktsportarten sowie nach Reisen in feuchtwarmen Regionen Südostasiens dokumentiert.

Typische Symptome und betroffene Körperstellen

Die Erkrankung verläuft in der Regel mild. Zu den typischen Beschwerden zählen:

  • Ausschläge mit teils eitergefüllten Pickeln und Pusteln
  • Krustige, schuppende Hautveränderungen
  • Spürbarer Juckreiz

Die Läsionen zeigen sich meist im Genitalbereich, an den Oberschenkeln, in den Leisten oder im Gesicht.

Behandlung und Risikobewertung in Deutschland

Für die allgemeine Bevölkerung stuft das ECDC das Ansteckungsrisiko als sehr niedrig ein. Wer einschlägige Gemeinschaftseinrichtungen nutzt, sollte auf eigene Handtücher achten und Saunagänge nach frischen Intimrasuren meiden, da kleinste Mikrorisse das Eindringen von Keimen erleichtern.

In Deutschland wies ein Berliner Labor zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 insgesamt 17 Fälle nach. Alle Betroffenen waren Männer aus Berlin und Brandenburg mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren. Die Infektion lässt sich mit herkömmlichen Antibiotika behandeln und heilt in der Regel vollständig und ohne Folgeschäden aus.