Vorstoß im Wartburgkreis: 8.700-Einwohner-Gemeinde Gerstungen will von Thüringen nach Hessen wechseln
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Schloss Wilhelmsthal im thüringischen Gerstungen.
Die Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis erwägt einen Wechsel des Bundeslandes. Bürgermeister Daniel Steffan (CDU) hat die Initiative gestartet, um die Kommune von Thüringen nach Hessen einzugliedern.
Über den Vorstoß berät am Dienstag, 15. September, der Hauptausschuss der an den Landkreis Hersfeld-Rotenburg grenzenden Gemeinde. Das Gremium entscheidet darüber, ob der Gemeinderat anschließend eine entsprechende Beschlussvorlage erhält.
Schloss Wilhelmsthal im thüringischen Gerstungen.
Gründe für den angestrebten Wechsel
Bürgermeister Steffan begründet die Initiative mit anhaltenden Missständen vor Ort. Straßen in der Region südwestlich von Eisenach seien in einem desolaten Zustand, zudem fühle sich Gerstungen bei Projekten wie dem Ausbau der Bahnstrecke Bebra–Erfurt benachteiligt.
Neben der Verkehrsinfrastruktur belaste ein gravierender Mangel an Lehrkräften die Gemeinde, was zu kontinuierlichem Unterrichtsausfall an den örtlichen Schulen führe.
Schüler weichen bereits nach Hessen aus
Laut Angaben der Verwaltung hat die Situation spürbare Folgen für das Alltagsleben. Zahlreiche Familien melden ihre Kinder inzwischen an hessischen Schulen an.
Steffan erklärte, dass der Schritt vor allem den Druck auf die Landespolitik in Erfurt erhöhen soll: Thüringen müsse die Gemeinde aktiv unterstützen, anstatt Vorhaben zu blockieren.
Verfassungsrechtliche Hürden für Gebietsänderungen
Eine Neugliederung der Landesgrenzen ist an strenge Vorgaben gebunden. Nach Artikel 29 des Grundgesetzes erfordert ein solcher Wechsel entweder Staatsverträge zwischen beiden beteiligten Bundesländern oder ein zustimmungspflichtiges Bundesgesetz über den Bundesrat.
Historisch wäre eine solche Grenzverschiebung nicht beispiellos: Anfang der 1990er-Jahre verließen mehrere Kommunen Thüringen und schlossen sich Sachsen an. Gerstungen ist mit einer Fläche von knapp 150 Quadratkilometern und rund 8.700 Einwohnern die flächengrößte Gemeinde im Freistaat.

