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Wahl am 6. September: Experte analysiert nach 20 Jahren AfD-Beobachtung die Machtpläne im Osten

ARD-Journalist Olaf Sundermeyer Aktuelle News

ARD-Journalist Olaf Sundermeyer analysiert die Machtstrategie der AfD.

Der ARD-Journalist Olaf Sundermeyer beobachtet die Entwicklungen rund um die AfD seit zwei Jahrzehnten. In seinem Buch „Blaues Land“ dokumentiert er, wie die Partei systematisch darauf hinarbeitet, sich als Volkspartei im Osten Deutschlands zu etablieren.

Im Zentrum der aktuellen Dynamik steht Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte die Partei dort zur stärksten Kraft oder gar in die Regierungsverantwortung führen.

Ulrich Siegmund und das Rennen um Sachsen-Anhalt

Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach dem Erfolg von Björn Höcke in Thüringen der nächste Schritt für die Partei. Die politischen Ziele für das Land sind weitreichend formuliert.

Die Partei plant unter anderem die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Ende des Asylrechts, die Aufhebung der Schulpflicht sowie die Einführung einer freiwilligen Hilfspolizei. Zudem strebt sie eine grundlegende Umkehr der NS-Erinnerungskultur an.

ARD-Journalist Olaf Sundermeyer
ARD-Journalist Olaf Sundermeyer

Als zentrales Instrument im Wahlkampf nutzt Siegmund gezielte emotionale Bestärkung. Er vermittelt Wählern, die sich von Medien und Bundespolitik ignoriert fühlen, Anerkennung und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer wachsenden Bewegung.

Strategie in der Fläche und im Mittelstand

Dass fremdenfeindliche Töne in Regionen mit sehr geringem Migrationsanteil verfangen, folgt einem bekannten Muster. Die AfD verspricht einer weitgehend homogenen Bevölkerungsgruppe den Erhalt dieses Status quo.

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Buchcover von „Blaues Land“

Andere Parteien haben sich aus vielen ländlichen Regionen faktisch zurückgezogen. Die AfD hingegen agiert im Dauerkampagnen-Modus und verankert sich direkt vor Ort in Vereinen, Feuerwehren, Bauernverbänden und Freikirchen.

Wahl am 6. September: Experte analysiert nach 20 Jahren AfD-Beobachtung die Machtpläne im Osten

Zuspruch aus Handwerk und Landwirtschaft

Kleine und mittlere Unternehmen sehen ihre Interessen durch Berliner Regierungsentscheidungen zu Bürokratie, Transformation und hohen Energiepreisen belastet. Die AfD positioniert sich hier als regionale Schutzmacht.

Mit der Forderung nach günstigem russischem Öl und Gas sowie der Einbindung lokaler Gewerbetreibender gelingt es der Partei, traditionelle Wirtschaftskreise an sich zu binden.

Radikale Netzwerke hinter der bürgerlichen Fassade

Hinter der bürgerlichen Aufmachung von Spitzenkandidaten wie Siegmund steht ein Parteiapparat mit engen Kontakten ins rechtsextreme Milieu. Zu den zentralen Akteuren zählt der völkisch-nationalistische Landesvize Hans-Thomas Tillschneider, der ehemals den radikalen „Flügel“ mitorganisierte.

Nach außen wahrt die Partei den formalen Staatsbürgerbegriff des Grundgesetzes, auch mit Blick auf drohende Verbotsverfahren. Intern dominieren jedoch ethnisch definierte Vorstellungen, wie sie etwa Brandenburgs Fraktionschef Hans-Christoph Berndt mit Verweisen auf angebliche Abstammungsvorteile offen formuliert.

Flankiert wird die politische Arbeit durch rechtsextreme Medienmacher wie Matthäus Westfal („Aktivist Mann“). Die Partei nutzt diese Netzwerke gezielt, um den öffentlichen Diskurs schrittweise nach rechts zu verschieben und langfristig Verwaltungen und Bildungsstrukturen nach eigenem Vorbild umzubauen.