Wahlbeben in Sachsen-Anhalt: Merz warnt vor AfD-Erfolg, Söder sieht Regierungsauftrag
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Wahlbeben in Sachsen-Anhalt: Merz warnt vor AfD-Erfolg, Söder sieht Regierungsauftrag
Politische Beratungen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die Bundespolitik vor einer Zerreißprobe. Die AfD ging als stärkste Kraft aus dem Urnengang hervor, verfehlte jedoch laut vorläufigem amtlichen Endergebnis eine absolute Mehrheit.
Der Ausgang löste am Montag massive Reaktionen in Berlin und den Bundesländern aus. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezogen klare, wenngleich unterschiedliche Positionen zum weiteren Umgang mit dem Ergebnis.
Merz warnt vor tektonischer Erschütterung des Parteiensystems
Im CDU-Bundesvorstand fand Parteichef Friedrich Merz drastische Worte. Er warnte Medienberichten zufolge vor einer möglichen rechtsradikalen Regierung sowie einem rechtsradikalen Ministerpräsidenten in Magdeburg.
Die Verfassung biete alle nötigen Instrumente zur Gegenwehr, dennoch erlebe das Land eine tektonische Verschiebung. Die Partei sei bis ins Mark getroffen, weshalb ein einfacher Übergang zur Tagesordnung ausgeschlossen sei.
Merz schwor die CDU auf strikte Geschlossenheit ein und bekräftigte erneut das Kooperationsverbot mit der AfD. Gemeinsam mit Sachsen-Anhalts CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze trat er am Nachmittag vor die Presse.
Söders Vorstoß beim Gillamoos-Frühschoppen
Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte seinen Auftritt beim traditionellen Gillamoos-Volksfest für eine andere Stoßrichtung. Er sprach von einem faktischen Regierungsauftrag für die Wahlsieger.
Andere Parteien sollten nicht auf Biegen und Brechen mit rechnerischen Tricks eine knappe Mehrheit zimmern. Die AfD solle nun unter Beweis stellen, ob sie überhaupt regierungsfähig sei.
Gleichzeitig griff Söder ein Zitat des sachsen-anhaltischen AfD-Landeschefs Martin Reichardt auf, der Deutschland als faulen Staat bezeichnet hatte. Wer so über das eigene Land spreche, dürfe niemals Verantwortung tragen.
Forderungen nach Kurswechsel in Berlin
Scharfe Kritik an Kanzler Merz kam unterdessen aus dem Arbeitnehmerflügel der SPD. Dessen Chefin Cansel Kiziltepe bezeichnete den Reformkurs der Bundesregierung als Ursache für den Vertrauensverlust und verlangte Korrekturen bei Rente und Gesundheit.
Sicherheitsbedenken und Reaktionen der Wirtschaft
Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, warnte eindringlich vor einer Kontrolle der Sicherheitsbehörden durch die AfD. Enge Verbindungen nach Russland stellten ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Auch Wirtschaftsverbände äußerten massive Bedenken hinsichtlich des Standorts. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der TÜV-Verband befürchten einen verschärften Fachkräftemangel, falls internationale Arbeitskräfte durch das politische Klima abgeschreckt würden.
Kardinal Reinhard Marx nannte den Wahlerfolg der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Landespartei bedrückend und forderte die Zivilgesellschaft zu sichtbarem Widerstand auf.
Verhandlungen und Bedingungen der Parteien
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze im Interview
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund formulierte bereits Vorbedingungen für Bündnisse. Ganz oben auf der Agenda steht dabei die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) unter Thomas Schulze lehnte eine feste Koalition zwar ab, signalisierte jedoch punktuelle inhaltliche Überschneidungen. Im Fokus stehe dabei vor allem die Debatte um die Russland-Sanktionen.
Auf Nachfragen zum Familienbild im AfD-Wahlprogramm verwiesen Siegmund und Bundeschefin Alice Weidel darauf, dass traditionelle Modelle als Leitbild gefördert werden sollten, ohne individuelle Freiheiten einzuschränken.



