Warum das Ende einer Langzeitbeziehung so schmerzhaft ist: Die Psychologie hinter dem Trennungsschmerz
Psychologie & Balance
Langjährige Partnerschaften verändern unsere emotionale Reaktion grundlegend.
Das Ende einer langjährigen Partnerschaft geht oft mit einem massiven emotionalen Einbruch einher. Laut dem Psychologen Santiago Benjumea liegt der Grund hierfür in der Art und Weise, wie unsere Psyche auf Dauerbeziehungen reagiert und über Jahre hinweg Kompensationsmechanismen aufbaut.
In einem Gespräch im Podcast Con P de Podcast betonte Benjumea, dass der Beginn einer Beziehung von Neuheit und intensiver emotionaler Erregung geprägt ist. In dieser Phase fehlen dem Gehirn noch die Mechanismen, um diese starken Gefühle zu regulieren.
„In einer langjährigen Beziehung hat man zahlreiche kompensatorische Antworten entwickelt“, erklärt Benjumea. Diese Reaktionen ermöglichen es uns, im Alltag zu funktionieren, ohne von der ständigen Intensität der Anfangszeit überwältigt zu werden.
Illustration zum Thema emotionale Anpassung in Beziehungen.
Die Rolle der Routine im emotionalen Alltag
Die emotionale Intensität verschwindet nach Ansicht des Experten nicht unbedingt mit der Zeit, doch sie wird moderiert. Berufliche Pflichten und alltägliche Verantwortungen zwingen uns dazu, diese Reaktionen zu drosseln. Man kann nicht ein Leben lang in der euphorischen Phase des Frischverliebtseins verharren.
Benjumea verdeutlicht dies mit einem simplen Beispiel: „Man muss arbeiten gehen; man kann nicht sein ganzes Leben lang nur verliebt sein.“ Durch diese Anpassung wird die Präsenz des Partners irgendwann zur Routine. Sie wird oft nicht mehr bewusst wahrgenommen, was jedoch nicht bedeutet, dass die Zuneigung abgenommen hat.

Der Psychologe Santiago Benjumea im Gespräch über emotionale Anpassungsprozesse.
Warum das Ende so hart trifft
Das Szenario verschiebt sich drastisch, sobald die Beziehung endet. Der Partner, an dessen Anwesenheit sich das Gehirn über Jahre gewöhnt hat, verschwindet plötzlich. Das Problem: Die während der Beziehung entwickelten Kompensationsmechanismen bleiben zunächst aktiv.
„Wenn man den Partner verliert, verliert man ihn zusammen mit all diesen kompensatorischen Mechanismen – und der Einbruch ist enorm“, so Benjumea. Dieser Zustand macht das Ende einer langen Bindung so schwerwiegend.
Illustration zum Thema emotionaler Schmerz nach dem Beziehungsende.
Die Gewohnheit und das tägliche Miteinander kaschieren oft, wie tiefgreifend die Präsenz des anderen im eigenen Leben verankert war. Wenn diese Stütze wegfällt, gerät das über Jahre mühsam aufgebaute emotionale Gleichgewicht aus den Fugen.



