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Wende beim Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich planen 90-Prozent-Ziel statt Totalverbot ab 2035

Verbrennungsmotor im Fahrzeugbau neben Ladeinfrastruktur Aktuelle News

Eine neue deutsch-französische Initiative stellt das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren für das Jahr 2035 infrage.

Das strikte Verbrenner-Aus im Jahr 2035 wackelt gewaltig: Deutschland und Frankreich haben sich auf einen gemeinsamen Kurs verständigt, der den vollständigen Ausstieg abmildern soll. Statt der bisher festgeschriebenen Senkung der Neuwagen-Emissionen um volle 100 Prozent sieht der neue Vorstoß vor, den CO₂-Ausstoß neuer Pkw bis 2035 gegenüber dem Referenzjahr 2021 lediglich um 90 Prozent zu reduzieren.

Dieser Schritt würde bedeuten, dass Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor auch nach der bisherigen Frist offiziell auf den Markt kommen dürfen. Da die verbleibenden zehn Prozent nach den aktuellen Plänen nicht zwingend kompensiert werden müssten, käme dieser Kompromiss einer faktischen Rettung des klassischen Verbrennungsmotors gleich. Doch die politische Hürde auf EU-Ebene ist damit noch längst nicht überwunden.

Der deutsch-französische Pakt: 90 Prozent statt Totalverbot

Bislang sah die Gesetzgebung der Europäischen Union vor, dass ab 2035 ausschließlich Neuwagen zugelassen werden dürfen, die im Betrieb vollkommen lokal emissionsfrei fahren. Mit der deutsch-französischen Einigung vollziehen die beiden wirtschaftsstärksten Mitgliedstaaten eine spürbare Kehrtwende. Ziel der Regierungen in Berlin und Paris ist es, die heimische Automobilindustrie zu entlasten, Planungssicherheit für Investitionen zu schaffen und bestehende Blockaden bei anstehenden Gesetzgebungsverfahren aufzulösen.

In den traditionellen Branchenzentren, allen voran bei Zulieferern und Herstellern in Süddeutschland, stößt diese diplomatische Annäherung auf breite Zustimmung. Viele Unternehmen hatten wiederholt gewarnt, dass ein abruptes Ende der Technologie tausende Arbeitsplätze gefährden und den europäischen Markt gegenüber externer Konkurrenz destabilisieren könnte.

Die geplante Anpassung der CO₂-Ziele zielt darauf ab, den Transformationsdruck auf die europäische Fertigung abzufedern, ohne den Ausbau alternativer Antriebe komplett zu stoppen.

Der Deal hinter den Kulissen: Was Deutschland im Gegenzug akzeptiert

Der Deal hinter den Kulissen: Was Deutschland im Gegenzug akzeptiert

Die Unterstützung aus Paris war nicht bedingungslos zu haben. Um Frankreich für die Absenkung der CO₂-Minderungsquote von 100 auf 90 Prozent zu gewinnen, stimmte die deutsche Bundesregierung einer deutlich strengeren Auslegung des Prinzips Made in Europe zu.

Wer künftig bei der Entwicklung und Produktion in strategisch relevanten Industriezweigen von öffentlichen Fördergeldern profitieren will, muss Bauteile vermehrt aus der EU oder eng definierten Partnerländern beziehen. Berlin gab damit seine bisherige Linie auf, diesen Kreis an Zulieferstaaten möglichst weit zu fassen. Dieser Schutzmechanismus soll die europäische Wertschöpfungskette gegen Dumpingangebote absichern.

Fakten-Check: Was gilt für Autofahrer wirklich?

Rund um das Thema herrscht bei vielen Fahrzeughaltern Verunsicherung über angebliche Fahrverbote. Hier gilt es, Fakten von Mythen zu trennen:

  • Mythos: Ab 2035 müssen alle bestehenden Autos mit Benzin- oder Dieselmotor stillgelegt werden.
  • Realität: Sämtliche EU-Regelungen und Lockerungspläne betreffen ausnahmslos die Neuzulassung ab Werk. Bereits zugelassene Bestandsfahrzeuge dürfen uneingeschränkt weiter betrieben und als Gebrauchtwagen gehandelt werden.
  • Mythos: Das Verbot ist mit der Berliner Einigung bereits rechtskräftig gekippt.
  • Realität: Es handelt sich um eine bilaterale Positionierung zweier Staaten, die noch das vollständige Gesetzgebungsverfahren der EU durchlaufen muss.

Die wichtigsten Eckpunkte der geplanten Neuregelung

Die geplante Reform verändert die Rahmenbedingungen für Hersteller und Käufer spürbar. Folgende Kernpunkte markieren die Unterschiede zum bisherigen Rechtsrahmen:

Regelungsbereich Status & geplante Anpassung
Bisheriges Ziel für 2035 100 % Senkung der Neuwagen-Emissionen (Emissionsfreiheit)
Neuer deutsch-französischer Plan Reduktion um 90 % gegenüber 2021 für neue Pkw
Verbleibende Emissionen Kein verpflichtender CO₂-Ausgleich vorgesehen
Industriepolitische Auflage Strengere „Made in Europe“-Kriterien für Subventionen

Wie geht es auf europäischer Ebene weiter?

Wie geht es auf europäischer Ebene weiter?

Ob der Vorstoß tatsächlich geltendes EU-Recht wird, hängt von den weiteren Verhandlungen ab. Bis zum Jahresende streben Deutschland und Frankreich an, die übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Ministerrat von dem Kompromiss zu überzeugen.

  1. Abstimmung im Kreis der 27 Mitgliedstaaten: Bis Dezember soll eine gemeinsame Linie im Rat formuliert werden.
  2. Trilog-Verhandlungen mit dem Europaparlament: Die Abgeordneten in Straßburg und Brüssel müssen dem Vorhaben zustimmen. Dort gehen die Meinungen der Fraktionen zwischen Klimaschutzzielen und Industrieinteressen derzeit weit auseinander.
  3. Forderungen nach Ausgleich: Politische Stimmen fordern bereits jetzt, dass ein Festhalten an Restemissionen zwingend mit zusätzlichen CO₂-Ausgleichsmaßnahmen in anderen Sektoren verknüpft werden muss.

💡 Die Einigung markiert eine der bedeutendsten Weichenstellungen für den Mobilitätssektor der kommenden Jahrzehnte.

🔍 Wie tragfähig der Kompromiss im parlamentarischen Prozess bleibt, werden die Gespräche der nächsten Wochen zeigen.

📌 Diskutieren Sie mit: Ist das Aufweichen der Vorgaben der richtige Schritt für Europas Industrie oder ein Rückschritt für den Klimaschutz?

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