Wie eine missglückte biologische Schädlingsbekämpfung Puerto Rico eine jahrhundertelange Tollwut-Plage bescherte
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Die kleine indische Manguste wurde im 19. Jahrhundert als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel auf Puerto Rico eingeführt.

Porträt von Miguel Jorge.
In den 1870er Jahren standen Zuckerrohrplantagen auf Puerto Rico vor einem massiven Problem: Ratten verwüsteten die Ernten. Die Lösung schien simpel und kostengünstig. Die Plantagenbesitzer importierten aus Indien ein kleines, flinkes Raubtier: die Kleine Indische Manguste.
Anderthalb Jahrhunderte später ist die Zuckerindustrie weitgehend verschwunden, doch die Mangusten sind geblieben. Sie haben sich zu einer der problematischsten invasiven Arten der Insel entwickelt.
Ein fataler Denkfehler
Die Idee der biologischen Schädlingsbekämpfung wirkte auf dem Papier logisch. Doch in der Realität prallten die Lebensweisen von Räuber und Beute aufeinander: Mangusten sind tagaktiv, während die Ratten der Zuckerrohrfelder vorwiegend nachts jagen.
Da sie sich kaum begegneten, dezimierten die Mangusten die Rattenpopulation kaum. Stattdessen suchte sich das Raubtier einfach leichtere Beute. Vögel, Reptilien und Amphibien, die keine natürliche Verteidigung gegen dieses Raubtier besaßen, wurden Teil ihres Speiseplans. Die Manguste etablierte sich als invasive Spezies, die das ökologische Gleichgewicht massiv störte.
Symbolbild zur Veranschaulichung der ökologischen Auswirkungen.
Zusätzliche Darstellung der betroffenen Fauna.
Vom Helfer zum Tollwut-Reservoir
Die größte Gefahr für den Menschen kristallisierte sich jedoch erst Jahrzehnte später heraus. Im Jahr 1950 wurde der erste Tollwutausbruch unter den Mangusten auf Puerto Rico laborbestätigt. Heute gelten sie als das primäre Tollwut-Reservoir für die terrestrische Fauna der Insel.
Untersuchungen zeigen ein erschreckendes Bild: In einigen Regionen wie El Yunque oder Cabo Rojo wiesen bis zu 39 % der untersuchten Tiere neutralisierende Antikörper gegen den Erreger auf. Schätzungen gehen von etwa 280 Menschen aus, die jährlich von Mangusten gebissen werden.

Die tödliche Konsequenz
Dass es sich nicht nur um eine theoretische Gefahr handelt, bewies ein tragischer Vorfall: Ein 54-jähriger Mann aus dem Südosten der Insel verstarb nach einem Mangustenbiss, ohne sich medizinisch behandeln zu lassen. Nach Symptomen wie Fieber und Schluckbeschwerden erlag er einer durch Tollwut ausgelösten Herzinsuffizienz.
Dies war der erste dokumentierte Todesfall dieser Art auf Puerto Rico und zugleich der erste Tollwut-Todesfall durch eine Manguste in den USA oder ihren Territorien.
Ein ewiger Kreislauf der Kontrolle
Heute versuchen Forscher verzweifelt, den Schaden zu begrenzen. Sie testen oral verabreichbare Tollwutimpfstoffe und untersuchen, welche Köder – von Käse bis Kokos – die Tiere am ehesten annehmen. Das Ziel hat sich radikal gewandelt: Man will nicht mehr den Ernteertrag sichern, sondern das Gesundheitsrisiko beherrschen, das durch eine leichtfertige Entscheidung im 19. Jahrhundert geschaffen wurde.
Die Zuckerrohrfelder sind längst vergangen. Die Mangusten aber haben die Insel kolonisiert und bleiben ein Beispiel für die unvorhersehbaren Folgen menschlicher Eingriffe in fremde Ökosysteme.


