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Windrad im Blick: Bis zu 2 Prozent Wertverlust für Immobilien im Umkreis von zwei Kilometern

Nahaufnahme von einem Windrad Aktuelle News

Nahaufnahme von einem Windrad.

Die Furcht vor massiven Preisverfällen durch Windräder oder Solarparks in Nachbarschaft ist weit verbreitet. Pauschale Einbußen von zehn bis zwanzig Prozent treffen in der Realität jedoch selten zu. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zwar Wertminderungen, diese fallen im Durchschnitt allerdings deutlich moderater aus.

Eine umfassende Auswertung deutscher Immobilienangebote zwischen 2009 und 2021 zeigt, dass Häuser in einem Radius von ein bis zwei Kilometern um Windkraftanlagen im Schnitt etwa zwei Prozent günstiger angeboten werden. Bei Freiflächen-Photovoltaik liegt der Rückgang bei rund 1,5 Prozent. Eine weitere deutsche Analyse realer Kaufpreise auf Gemeindeebene ergab bei neuen Windparks ein Minus von 1,9 Prozent.

Nahaufnahme von einem Windrad
Nahaufnahme von einem Windrad.

Warum der reine Abstand zur Anlage nicht ausreicht

Bei einem Hauswert von 500.000 Euro entspricht ein Abschlag von zwei Prozent einer Summe von 10.000 Euro. Dennoch existiert kein automatischer Wertverlust für jedes Gebäude im Umkreis. Ob ein Preisabschlag fällig wird, hängt stark vom Einzelfall ab.

Zwei Gebäude können denselben Abstand von 1.500 Metern zu einem Windpark aufweisen und völlig unterschiedlich bewertet werden. Steht ein Haus mit freiem Blick auf die Rotoren in ruhiger Natur, wiegt der Einschnitt schwerer als bei einem Objekt, dessen Sicht durch Bäume verdeckt ist oder das direkt an einer Bundesstraße liegt.

Wichtige Faktoren für die Wertermittlung

Neben der reinen Distanz entscheiden konkrete Umgebungsmerkmale über den tatsächlichen Marktwert:

  • Anzahl und Gesamthöhe der Windräder
  • Direkte Sichtachsen von Garten oder Wohnräumen
  • Betriebsgeräusche und nachweisbarer Schlagschatten
  • Größe, Blendwirkung und Bepflanzung bei Solarparks
  • Allgemeine Nachfrage auf dem regionalen Immobilienmarkt

Eine internationale Metaanalyse von 25 Studien mit 720 Schätzungen ermittelte nach methodischer Bereinigung einen durchschnittlichen Abschlag von 0,68 Prozent bei einer mittleren Entfernung von drei Kilometern. Ab einer Distanz von etwa 4,5 Kilometern tendiert der statistische Effekt gegen null.

Windrad im Blick: Bis zu 2 Prozent Wertverlust für Immobilien im Umkreis von zwei Kilometern

Ausreißer bei Großanlagen und Solarparks

In Einzelfällen fallen die Einbußen spürbarer aus. Eine Untersuchung in Dänemark zeigte bei besonders großen Windkraftanlagen mit starkem Schlagschatten Wertverluste von bis zu zwölf Prozent. In den Niederlanden führten über 150 Meter hohe Anlagen im Umkreis von zwei Kilometern zu Abschlägen von durchschnittlich 5,4 Prozent.

Bei Photovoltaik-Freiflächen ermittelte eine Erhebung in England und Wales einen Preisnachlass von 5,4 Prozent. Dieser galt jedoch ausschließlich für Häuser, die maximal 750 Meter südlich einer Anlage mit über fünf Megawatt Leistung lagen. Bei kleineren Solaranlagen oder größeren Distanzen gab es keinen messbaren Einfluss.

Der Einfluss der Planungsphase auf den Hauspreis

Bereits die Ankündigung neuer Energieprojekte kann Preisschwankungen auslösen. Eine US-Studie belegt, dass Immobilienpreise direkt nach Bekanntwerden eines Vorhabens spürbar sanken, sich nach der tatsächlichen Inbetriebnahme jedoch schrittweise wieder erholten. Nach neun Jahren war kaum noch ein Unterschied messbar.

Kaufinteressenten sollten sich vor dem Erwerb über geplante Anlagenzahlen, Höhen sowie vorliegende Schall- und Schattenwurf-Gutachten informieren. Eigentümer wiederum müssen pauschale Preisnachlässe nicht ohne Prüfung der konkreten Sicht- und Lärmbelastung akzeptieren.