Zehn Schüsse mitten in Paris: Prozess um Mord an Rugby-Star Federico Martín Aramburú beginnt
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Zehn Schüsse mitten in Paris: Prozess um Mord an Rugby-Star Federico Martín Aramburú beginnt
Vor dem Schwurgericht in Paris hat der Prozess um die Ermordung des ehemaligen argentinischen Rugby-Nationalspielers Federico Martín Aramburú begonnen. Die beiden Hauptangeklagten, Loïk Le Priol und Romain Bouvier, sind zwei bekannte Aktivisten der aufgelösten rechtsextremen Gruppierung GUD.
Die Tat ereignete sich in der Nacht vom 18. auf den 19. März 2022 im Pariser Zentrum. Den beiden Männern droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.
Eskalation in einer Bar im Pariser Universitätsviertel
Die Ereignisse nahmen gegen 5 Uhr morgens in der Bar „Le Mabillon“ im 6. Pariser Arrondissement ihren Lauf. Federico Martín Aramburú und sein früherer Teamkollege Shaun Hegarty saßen dort an einem Nachbartisch von Loïk Le Priol, Romain Bouvier und dessen Partnerin Lyson Rochemir.
Die Stimmung kippte, als Le Priol und Bouvier einen anderen Gast aggressiv abwiesen und als „Untermenschen“ beschimpften. Aramburú und Hegarty griffen ein, um den Streit zu schlichten, woraufhin die Rechtsextremen die Sportler aufgrund ihrer Herkunft verbal attackierten.
Beim Verlassen des Lokals zog Aramburú an der Kapuze von Le Priol, der daraufhin von seinem Stuhl fiel. Es kam zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, die das Sicherheitspersonal des Lokals schließlich beendete.
Verfolgungsjagd und zehn Schüsse auf offener Straße
Unmittelbar nach der Schlägerei bewaffnete sich Le Priol mit einer Pistole und einer Polizeibinde. Laut Zeugenaussagen kündigte er vor Angestellten der Bar an, Aramburú zu töten, und nahm zu Fuß die Verfolgung auf.
Romain Bouvier, der von Lyson Rochemir im Auto gefahren wurde, erreichte die Sportler zuerst auf dem Boulevard Saint-Germain. Er stieg aus und feuerte vier Schüsse in Richtung von Aramburú ab, bevor er flüchtete.
Nur rund 40 Sekunden später traf Le Priol am Tatort ein. Nach einem erneuten Gerangel zog er seine Waffe und schoss sechsmal auf den am Boden liegenden Rugbyspieler.
Festnahme nach internationaler Fahndung
Aramburú erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Die mutmaßlichen Schützen tauchten sofort unter.
Bouvier wurde wenige Tage später in einer Abtei im Département Sarthe festgenommen. Le Priol fassten die Behörden an der ungarisch-ukrainischen Grenze.
Rechtsextreme Vergangenheit und Vorstrafen
Beide Angeklagten gehörten zur Führungsriege der militanten Organisation GUD. Le Priol war zudem ehemaliger Elitesoldat der französischen Marine und diente unter anderem in Mali, ehe er 2015 wegen einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung aus dem Dienst entlassen wurde.
Die Ermittler stellten bei Durchsuchungen zahlreiche Waffen, NS-Devotionalien und Ausgaben von Hitlers Programmschrift sicher. Beide Männer waren bereits 2022 wegen schwerer Folter an einem früheren Gesinnungsgenossen zu Haftstrafen verurteilt worden.
Die Strategie vor Gericht
Le Priol beruft sich vor Gericht auf einen „Überlebensreflex“ in einer vermeintlichen Notwehrsituation. Das Obduktionsgutachten belegt jedoch, dass die tödlichen Kugeln den ehemaligen Profisportler von hinten in den Rücken trafen.
Zudem belasten ihn Aussagen aus der Untersuchungshaft, in denen er sich gegenüber Dritten zynisch mit den abgegebenen Schüssen brüstete. Das Verfahren gegen die Haupttäter und zwei mutmaßliche Fluchthelfer ist bis zum 26. September angesetzt.
