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Zucker-Krise in Indien: Ernteausfälle und Biosprit treiben Preise in die Höhe

Verkaufsstand für Tee und Süßwaren in einer indischen Stadt. Aktuelle News

In den Teeständen Indiens ist Zucker eine unverzichtbare Zutat für den täglichen Energieschub.

Steigende Kosten für den süßen Alltag

In Indien gehört Zucker zum täglichen Leben – ob in den allgegenwärtigen Teeständen in Neu-Delhi oder in den Läden, die traditionelle Süßwaren verkaufen. Doch die Versorgungslage ist angespannt. „Ich habe in den letzten zwei Tagen deutlich gemerkt, wie teuer Zucker geworden ist“, berichtet die Verkäuferin Lakshmi.

Für viele Inder ist der Konsum eine Notwendigkeit. Besonders Arbeiter, die körperlich anstrengende Schichten leisten, verlassen sich auf die Energie des stark gesüßten Tees. Manpreet Singh, der einen Teestand betreibt, betont die Bedeutung des Getränks: „Sie trinken viel Zucker, weil sie Tag und Nacht arbeiten. Sie brauchen diesen Energieschub.“ Bisher versucht er, die Preise stabil zu halten und verlangt 15 Rupien (zwölf Cent) pro Becher.

El Niño bedroht die Ernte

Die wirtschaftliche Realität holt jedoch auch die Teestände ein. Der Preis für ein Kilo Zucker hat sich auf etwa 70 Cent nahezu verdoppelt. Indien ist zwar nach Brasilien der weltweit zweitgrößte Zuckerproduzent, doch die diesjährigen Ernteprognosen sind düster.

Als Hauptursache gilt das Klimaphänomen El Niño. Die Monsun-Regenfälle waren in diesem Jahr extrem unregelmäßig – sie kamen entweder zu spät, waren zu schwach oder lösten zerstörerische Überschwemmungen aus. Das hat die Ernteaussichten auf den indischen Zuckerrohrfeldern massiv verschlechtert.

Konkurrenz durch Biosprit

Ein weiterer Faktor sorgt für Unmut in der Bevölkerung: Die Nutzung von Zuckerrohr zur Produktion von E20-Biosprit. Während die indische Regierung einen direkten Zusammenhang zwischen der Zuckerknappheit und der Ethanol-Herstellung offiziell bestreitet, sehen viele Geschäftsleute das anders.

Zucker-Krise in Indien: Ernteausfälle und Biosprit treiben Preise in die Höhe

Gautam Agarwal, ein Verkäufer von Süßwaren, bringt die Stimmung vieler Händler auf den Punkt: „Es heißt, dass Ethanol produziert wird und deshalb die Preise gestiegen sind. Das darf aber doch nicht sein.“

Staatliche Maßnahmen gegen den Preisanstieg

Um die Versorgung zu sichern und die Preise zu decken, hat die indische Regierung eingegriffen. Großkonsumenten wie Softdrink-Hersteller und Süßwarenproduzenten dürfen ihre Vorräte nun nur noch für maximal 15 Tage lagern, um eine Hortung zu verhindern.

Zudem hat die Außenhandelsbehörde zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt die zollfreie Einfuhr von einer Million Tonnen Rohzucker genehmigt. Diese Maßnahme soll bis zum 31. Oktober gelten – ein kritischer Zeitpunkt, da dann das Lichterfest Diwali und die Hochzeitssaison beginnen, zwei Ereignisse, bei denen traditionelle Süßigkeiten eine zentrale Rolle spielen.

Dennoch bleibt die Belastung für einkommensschwache Haushalte hoch. „Der Preis hat sich verdoppelt: An Süßigkeiten von großen Marken ist nicht mehr zu denken“, sagt der Wachmann Madan Singh. Für Menschen in seiner Lage bleiben oft nur noch die billigsten Alternativen – oder der Verzicht auf den täglichen Tee.