Zugspitze: Klettersteig-Einstieg liegt 10 Meter über dem Eis – 19 Bergsteiger im August gerettet
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Der stark ausgeaperte Höllentalferner an der Zugspitze erschwert den Einstieg in die Felswand.
Der Anstieg durch das Höllental auf die 2962 Meter hohe Zugspitze ist derzeit extrem heikel. Wegen des massiven Eisschwunds am Höllentalferner hat die Bergschule Vivalpin aus Garmisch-Partenkirchen ihre regulären Gruppenführungen gestoppt.
Gleichzeitig verzeichnete die Bergwacht Grainau im August einen drastischen Einsatzanstieg: Die Retter rückten 15-mal an den Ferner aus und brachten 19 Personen in Sicherheit.
Die Reste des Höllental-Gletschers nach starker Ausaperung im Spätsommer.
Gletscherschwund legt Randkluft frei: Zehn Meter ungesicherter Fels
Der Höllentalferner ist zum Ende des Sommers fast vollständig ausgeapert. Blanke Eisflächen, offene Spalten und Geröll prägen das Terrain vor der Felswand.
Besonders die Randkluft, der Übergang vom Gletscher zum Klettersteig, hat sich drastisch verändert. Das Eis ist so weit abgesunken, dass der eigentliche Einstieg in das Drahtseil rund zehn Meter über der Eisoberfläche liegt. Bergsteiger müssen diese Passage ungesichert über blankpolierten Fels klettern.
Vivalpin führt Alpinisten auf dieser Route vorerst nur noch im Verhältnis eins zu eins. Man begründet diesen Schritt mit den außergewöhnlichen und ungesicherten Bedingungen am Einstieg.
19 Bergsteiger im August durch die Bergwacht Grainau geborgen
Die Bergwacht Grainau arbeitet am Höllentalferner unter Volllast. „Die Sommersaison ist voll am Laufen“, erklärt Bereitschaftsleiter Anton Vogg.
Die Gründe für die Notrufe sind wiederkehrend: mangelhafte Ausrüstung, fehlende Steigeisen, Erschöpfung und die Fehleinschätzung der Randkluft. Ein schneearmer Winter und hohe Sommertemperaturen haben das Eis rapide schmelzen lassen.
Bereits Mitte August hatte der Deutsche Alpenverein (DAV) München & Oberland vor den Verhältnissen gewarnt. Steigeisen, Eispickel und ein vollständiges Klettersteigset sind zwingend erforderlich, um den Gletscher überhaupt betreten zu können.
Bergschulen reagieren unterschiedlich auf die Verhältnisse
Eine behördliche Sperrung der Höllentalroute gibt es nicht. Die kommerziellen Anbieter ziehen daraus unterschiedliche Konsequenzen.
Während Vivalpin die Gruppentouren aussetzt, bleibt die Alpinschule Garmisch auf der Route aktiv. Deren Bergführer bewerten die Lage täglich neu und reduzieren die Gruppengrößen pro Bergführer, um die Kontrolle in den heiklen Passagen zu gewährleisten.
Alternativen zur Route durch das Höllental bleiben vom Zustand des Ferners unberührt. Die Zugänge über das Reintal, das Gatterl, die Route Eisenzeit oder den Stopselzieher von der Tiroler Seite aus weisen keine gletscherbedingten Gefahrenstellen auf.

