Zwölf Jahre Jobsuche trotz Studium: Warum Nicole Raschewski keine Stelle findet
Aktuelle News
Nicole Raschewski kämpft seit zwölf Jahren um einen dauerhaften Arbeitsplatz.
Ein akademischer Abschluss als leeres Versprechen
Nicole Raschewski (43) glaubte an den Rat, dass ein Studium der Schlüssel zu beruflicher Sicherheit sei. Nach ihrem Abschluss in Sozialer Arbeit im Jahr 2014 in Erfurt begann sie hochmotiviert mit der Jobsuche. Doch statt einer Karriere folgten Jahre voller Absagen und befristeter Verträge.
„Mir wurde gesagt, dass man mit einem Studium bessere Chancen hat. Und das habe ich dann geglaubt“, sagt die Erfurterin. Trotz eines sehr guten Abschlusses verhinderte ihre körperliche Beeinträchtigung bisher den dauerhaften beruflichen Durchbruch.
Karrierewege mit Ablaufdatum
Die berufliche Biografie von Raschewski ist geprägt von kurzen Etappen. Eine Stelle als Sozialberaterin in der Psychiatrie endete kurz vor Ablauf der Probezeit; eine Position als Sachbearbeiterin in einem Ministerium verlief ähnlich enttäuschend. Auch ihre Arbeit als Jugendverbandsreferentin blieb auf ein befristetes Arbeitsverhältnis beschränkt, das zum Jahresende auslief. Nach ihren Angaben wurde ihr Aufgabenbereich im Anschluss von einer jüngeren Arbeitskraft übernommen.
Die 43-Jährige sieht sich heute mit einer schwierigen Realität konfrontiert: „Mittlerweile bin ich 43, meine körperliche Verfassung ändert sich täglich und geht insgesamt bergab.“

Engagement statt Stillstand
Die Zeit ohne feste Anstellung nutzt Raschewski für kontinuierliche Weiterbildung. Sie qualifizierte sich zur Psychotherapeutin und Mediatorin. Seit 2019 engagiert sie sich zudem aktiv für die Rechte von Menschen mit Behinderung und plant den Aufbau einer Selbsthilfegruppe für behinderte Akademiker.
Experten fordern Umdenken in der Wirtschaft
Der Finanzexperte und promovierte Fachmann Rainer Durth, der selbst mit einer Behinderung lebt, sieht in Fällen wie dem von Raschewski ein systemisches Versagen. „Unternehmen verzichten auf ein riesiges Potenzial“, warnt er.
Durth kritisiert, dass Vorurteile über angeblich häufige Ausfälle oder schwierige Kündigungsmodalitäten weiterhin das Bild von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt prägen. Er betrachtet diese Sichtweise als rein „vorurteilsgetrieben“. Angesichts des demografischen Wandels müsse die Wirtschaft endlich erkennen, dass die Integration behinderter Menschen keine soziale Gefälligkeit, sondern eine notwendige Chance für den Arbeitsmarkt sei.
