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Fuerteventura im Realitätscheck: Warum das Rentner-Paradies kein Schnäppchen mehr ist

Blick auf die Küstenlandschaft von Fuerteventura bei strahlendem Sonnenschein. Aktuelle News

Fuerteventura gilt bei vielen Ruheständlern als bevorzugter Wohnort, doch der Alltag hat sich gewandelt.

Der Traum vom Inselleben: Wunschdenken vs. Realität

Für viele deutsche Ruheständler ist Fuerteventura der Inbegriff eines entspannten Lebensabends. Doch Giulio, ein 70-jähriger Rentner, der seit vier Jahren dauerhaft in Puerto del Rosario lebt, warnt vor einer allzu verklärten Sichtweise. „Ich lebe gern hier, aber die Situation wird oft anders dargestellt, als sie tatsächlich ist“, sagt er.

Nach zehn Jahren als Teilzeit-Einwohner und vier Jahren als Vollzeit-Bewohner kennt er die Tücken des Alltags. Seine Erkenntnis: Das Image der günstigen und sorgenfreien Insel ist längst überholt.

Kostentreiber: Mieten und Lebensmittel

Wer glaubt, auf den Kanaren günstiger zu leben als in Deutschland, irrt laut Giulio oft. Ein wesentlicher Punkt sind die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten. „Lebensmittel und Restaurantbesuche sind kaum noch günstiger als in Italien oder Deutschland“, erklärt er.

Zusätzlich erschwert ein begrenztes Warenangebot den Einkauf. Besonders drastisch ist die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Seit der Corona-Pandemie haben sich die Mietpreise auf ein Niveau eingependelt, das für viele Einheimische und Neuankömmlinge problematisch ist.

  • Mieten: Unter 800 Euro ist auf dem freien Wohnungsmarkt kaum noch adäquater Wohnraum zu finden.
  • Immobilienkauf: Für ein Haus mit etwa 100 Quadratmetern müssen Käufer mit rund 250.000 Euro rechnen.
  • Infrastruktur: Die medizinische Versorgung und die Auswahl in den Supermärkten bewertet Giulio kritischer als im europäischen Kernland.

Spannungen im Insel-Paradies

Der Zuzug und der anhaltende Boom hinterlassen Spuren in der Gesellschaft. Giulio beobachtet eine Zunahme von Spannungen, die durch Themen wie Übertourismus und Immobilienspekulation befeuert werden. Das Verhältnis zwischen der lokalen Bevölkerung und den zahlreichen Zugewanderten steht vielerorts unter Beobachtung.

Fuerteventura im Realitätscheck: Warum das Rentner-Paradies kein Schnäppchen mehr ist

Dennoch bereut der Rentner seine Entscheidung nicht. Fuerteventura bietet nach wie vor eine Ruhe und eine Lebensqualität, die er schätzt – sofern man bereit ist, die ökonomischen Realitäten anzuerkennen.

Beliebter Wohnort für Deutsche

Die Insel bleibt ungebrochen populär. Statistiken zeigen, dass rund 4.100 Deutsche ihren festen Wohnsitz auf Fuerteventura haben. Mit einem Anteil von 28 Prozent ausländischen Staatsangehörigen an der Gesamtbevölkerung (Stand 2023) weist die Insel den höchsten Wert der Kanaren auf.

Das milde Klima und die etablierte deutschsprachige Infrastruktur locken weiterhin Menschen an. Wer den Schritt wagt, sollte jedoch nicht nur auf die Sonne setzen, sondern die Kosten für Wohnraum und die Versorgungssituation nüchtern kalkulieren.