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Gefahr im Hangar: Wie Forscher Flugzeuge in nur 60 Sekunden manipulieren

Nahaufnahme einer Hardware-Schnittstelle und technischer Komponenten eines Flugzeugcomputers. Aktuelle News

Ein handtellergroßes Hardware-Implantat reicht aus, um die Bordelektronik einer Boeing 737 zu kompromittieren.

Sicherheitslücke im Wartungsschacht

Flugzeuge gelten als Hochsicherheitsobjekte. Passagiere und Fracht werden akribisch kontrolliert, der Zugang zu sensiblen Bereichen ist streng reglementiert. Doch die Forschung von Sam Crow und seinem Team an der University of California, San Diego, zeigt nun eine gravierende Schwachstelle auf: Ein physischer Zugang von nur 60 Sekunden reicht aus, um eine Boeing 737 zu hacken.

Die Realität an Flughäfen steht dem Sicherheitsanspruch oft entgegen. Allein im Jahr 2015 verzeichneten US-Behörden mehr als 2.500 Fälle von unbefugtem Zugang zu Flugfeldern, Hangars oder direkt zu Flugzeugen. Da Jobs im Bereich Catering, Reinigung oder Gepäckabfertigung ein Einfallstor bieten können, ist die Annahme eines absolut gesicherten Umfelds trügerisch.

Das Hardware-Implantat als „Man in the Middle“

Das Team um Crow entwickelte ein kleines, programmierbares Hardware-Implantat, das speziell dafür konzipiert ist, sich in die Wartungsschnittstelle gängiger Flugzeugtypen einzuklinken. Diese Schnittstelle befindet sich in einem unverschlossenen Elektronikschacht unter der Flugzeugnase.

Der Angriff nutzt die ungesicherte Verbindung zwischen dem Flugcomputer und den Anzeigeelementen im Cockpit aus. Das implantierte Gerät fungiert dabei als „Man in the Middle“. Es ist in der Lage, die Kommunikation vollständig zu kontrollieren, Flugrouten zu manipulieren und den Piloten im Cockpit falsche Rückmeldungen zu senden.

Veraltete Technik als Einfallstor

Der Schwachpunkt liegt in der Datenübertragung: Das verwendete Protokoll ARINC 429 stammt aus den 1970er Jahren und basiert auf einfachen elektrischen Signalen. Die Forscher demonstrierten, dass ein Angreifer durch das Einspeisen von Strom in den Datenbus die legitimen Signale überlagern und somit verfälschen kann.

Gefahr im Hangar: Wie Forscher Flugzeuge in nur 60 Sekunden manipulieren

Bei Tests an Boeing-Testständen und mit Originalbauteilen gelang es den Forschern, den Autopiloten und das Display zu manipulieren, ohne dass dies für die Besatzung im Cockpit sichtbar wurde. Selbst die obligatorische Bestätigung durch den Piloten nach einer Kursänderung konnte das System täuschen, indem es den Tastendruck digital imitierte.

Kein theoretisches Risiko

Das Team betont, dass es sich dabei nicht um ein bloßes Laborexperiment handelt. Neben der Boeing 737 könnten auch andere gängige Flugzeugtypen wie der Airbus A320 oder A330 sowie die Boeing 747, 757 und 767 für derartige Hardware-Angriffe anfällig sein.

„Unser Ziel war es, die Luftfahrt-Community für diese Risiken zu sensibilisieren“, sagt Seniorautor Aaron Schulman. Angst vor dem Fliegen sei jedoch unbegründet, da ein solcher Angriff extrem detailliertes Fachwissen und umfangreiche Vorbereitungen erfordere. Zudem habe man Boeing bereits im Jahr 2020 über die Sicherheitslücken informiert.