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Hungersteine in der Elbe: Wenn die Geschichte vor Trockenheit warnt

Ein historischer Hungerstein in der Elbe mit eingemeißelten Jahreszahlen. Aktuelle News

Hungersteine dienen als historische Mahnmale bei extremem Niedrigwasser.

Boten der Dürre

Wenn die Pegelstände der Flüsse drastisch sinken, legen sie verborgene Relikte frei: die sogenannten Hungersteine. Diese massiven Felsblöcke, die tief in der Elbe und anderen Flüssen schlummern, sind weit mehr als einfache Steine. Sie sind steinerne Zeitzeugnisse einer vergangenen Ära.

Sobald diese Steine aus dem Wasser ragen, signalisieren sie eine extreme Trockenperiode. Historisch gesehen waren sie eine gefürchtete Warnung, da sinkende Pegelstände für die Menschen damals verheerende Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit hatten.

Warum die Steine einst Angst verbreiteten

Niedrigwasser bedeutete in der Vergangenheit den Stillstand des Handels. Schiffe konnten nicht mehr navigieren, Warenlieferungen blieben aus und Mühlen standen still, was die Getreidepreise in die Höhe trieb und Hungersnöte auslöste.

Die Felsblöcke dienten daher als Pegelmarken. Die Menschen meißelten Jahreszahlen in die Steine, um festzuhalten, wann der Wasserstand kritisch niedrig war. So entstanden über Jahrhunderte hinweg Chroniken der Trockenheit.

„Wenn du mich siehst, dann weine“

Einer der bekanntesten Hungersteine liegt bei Děčín (Tschechien) nahe der deutschen Grenze. Er ist rund sechs Kubikmeter groß und trägt die berühmte Inschrift: „Wenn du mich siehst, dann weine.“

Die älteste lesbare Markierung auf diesem Stein stammt aus dem Jahr 1616. Während ältere Inschriften aus den Jahren 1417 und 1473 durch den Schiffsverkehr abgerieben wurden, sind spätere Ergänzungen wie „Mädchen, weine und klage nicht, wenn es trocken ist, spritze das Feld“ erhalten geblieben – ein späterer Versuch, dem Schrecken etwas Optimismus entgegenzusetzen.

Hungersteine in der Elbe: Wenn die Geschichte vor Trockenheit warnt

Legenden und historische Fakten

Manche dieser Steine galten lange als reine Fischer-Legenden. Ein Beispiel ist ein Hungerstein bei Tichlowitz. Von ihm wurde 1892 berichtet, doch erst im Jahr 1904, als das Wasser erneut extrem zurückging, wurde seine Existenz offiziell bestätigt.

Er trägt die Inschriften der Jahre 1842, 1874, 1892 und 1904 sowie den mahnenden Spruch: „Wer einst mich sah, der hat geweint. Wer jetzt mich sieht wird weinen“.

Verbreitung in der Sächsischen Schweiz

Besonders häufig finden sich solche Steine zwischen Děčín und Pirna. Dies liegt an der historischen Bedeutung der Region für den Bergbau und Steinbruchbetrieb. Da die Steinmetze bei Niedrigwasser ihre Waren nicht per Schiff abtransportieren konnten, nutzten sie die Zwangspause, um ihre Fähigkeiten in den Stein zu meißeln.

Auch in anderen deutschen Gewässern gibt es ähnliche Phänomene. Im Rhein etwa wurden in den letzten Jahren immer häufiger Hungersteine freigelegt. Ein Beispiel ist ein Stein mit der Aufschrift „BE. TL. 1959“, der im August 2003 bei einem Pegelstand von 80 Zentimetern erstmals sichtbar wurde. Die zunehmende Häufigkeit dieser Ereignisse verdeutlicht die klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte.