Krise am Colorado River: Lake Powell sinkt auf historisches Tief
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Menschen betrachten den Glen Canyon Staudamm vom Aussichtspunkt oberhalb des Colorado River.
Ein Reservoir am Limit
Der Lake Powell, das zweitgrößte Reservoir der Vereinigten Staaten, ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen. Dieser Einbruch ist ein deutliches Anzeichen für die sich zuspitzende Krise des Colorado River, der Millionen von Menschen im Westen der USA mit Wasser und Strom versorgt.
Laut Daten des US Bureau of Reclamation sank der Pegel am Samstag auf 3.519,91 Fuß (etwa 1.072,87 Meter). Damit wurde der bisherige Rekordtiefststand von 3.519,92 Fuß aus dem April 2023 unterboten. Der Wasserspiegel liegt nun nur noch knapp 30 Fuß (etwa 9 Meter) über der kritischen Grenze, ab der die Turbinen des Staudamms keinen Strom mehr erzeugen können.
Blick auf den Glen Canyon Staudamm und den Colorado River am 14. Juli 2026.
Eine Region im Ausnahmezustand
Die Nachricht kommt nur neun Tage, nachdem der flussabwärts gelegene Lake Mead – das größte Reservoir der USA – seinen niedrigsten Stand seit neun Jahrzehnten erreicht hat. „Wir befinden uns in völlig unbekanntem Terrain“, kommentiert Jack Schmidt, Direktor des Center for Colorado River Studies an der Utah State University.
Die beiden Seen halten zusammen knapp 60 % des Wassers im Einzugsgebiet des Colorado River. Der Rückgang der Pegel hält seit über zwei Jahrzehnten an und verdeutlicht den prekären Zustand des Flusses, der als Lebensader des Südwestens gilt. Er speist sich aus dem Schmelzwasser der Rocky Mountains und versorgt rund 40 Millionen Menschen sowie fünf Millionen Hektar Agrarfläche in sieben Bundesstaaten.
Eine Ansicht des Colorado River bei Horseshoe Bend am 31. Juli.
Energie und „Deadpool“-Szenario
Der Lake Powell fungiert als eine Art „Bankkonto“ für Wasser. Doch die Dürre, befeuert durch den Klimawandel und hohen Wasserverbrauch, hat den Fluss seit dem Jahr 2000 um etwa 20 % schrumpfen lassen. Besonders besorgniserregend ist die Stromerzeugung: Der Staudamm versorgt rund 500.000 Haushalte mit Elektrizität.

Sollte der Pegel die Marke von 3.490 Fuß erreichen, wäre der Betrieb der Turbinen nicht mehr möglich. Brad Udall, Klimaforscher an der Colorado State University, warnt, dass ohne „außerordentliche Maßnahmen“ – wie drastische Reduktionen der Wasserabgabe – dieses Szenario bald eintreten könnte.
Eine „Badewannenrand“-Formation an der Canyonwand zeigt den früheren Wasserstand.
Das absolute „Deadpool“-Szenario, bei dem das Wasser nicht mehr durch den Damm nach unten fließen kann, liegt bei 3.370 Fuß. Experten rechnen damit, dass es bis dahin zu massiven regulatorischen Eingriffen kommen wird, um eine solche Katastrophe abzuwenden.
Hausboote in der Antelope Point Marina am Lake Powell.
Warten auf staatliche Eingriffe
Die Trinkwasserversorgung für Anwohner ist derzeit nach Ansicht von Experten nicht unmittelbar gefährdet, da Wasserversorger bereits Vorbereitungen getroffen haben. Dennoch sind die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für kleinere Gemeinden und indigene Stämme, die keinen Zugriff auf alternative Wasserquellen haben, deutlich spürbarer.
Da jahrelange Verhandlungen zwischen den betroffenen Bundesstaaten bisher zu keinem stabilen Abkommen führten, haben nun die US-Bundesbehörden die Kontrolle übernommen. In den kommenden Tagen wird ein Plan erwartet, der verbindliche Wasserkürzungen bis zum Jahr 2028 vorgibt. Auch wenn klimatische Muster wie El Niño für mehr Niederschlag sorgen könnten, sind sich Forscher einig: Ein einzelner feuchter Winter wird den Colorado River nicht retten.




