Portugiesische Galeeren: Warum die gefährlichen Nesseltiere an Europas Stränden zunehmen
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Die Portugiesische Galeere ist an ihrem bläulich schimmernden Schwimmkörper erkennbar.
Ein blau-violetter, ballonartiger Körper treibt an der Wasseroberfläche. Unter ihm verbergen sich nahezu unsichtbare Tentakel, die bis zu 30 Meter tief in das Wasser reichen können. Was friedlich aussieht, ist hochgiftig: Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) sorgt aktuell an europäischen Stränden für Unruhe.
Ausbreitung an der Atlantikküste
Besonders die französische Atlantikküste und Nordspanien melden eine ungewöhnlich hohe Dichte der Nesseltiere. In Regionen wie Arcachon oder dem baskischen San Sebastián kam es bereits zu zeitweisen Badeverboten. Allein in der französischen Baskenküste wurden innerhalb von zwei Wochen über 1.000 Stiche registriert.
Die Häufigkeit dieser Vorfälle hat zugenommen. Während Begegnungen früher etwa alle sieben bis acht Jahre auftraten, werden die Tiere heute in vielen Gebieten jährlich gesichtet. Experten des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer berichten, dass etwa zehn Prozent der Betroffenen eine ärztliche Behandlung im Krankenhaus benötigen.
Entwarnung für die Adria?
Viele Urlauber fragen sich, ob die Gefahr auch das Mittelmeer oder die Adria erreicht. Gerhard Herndl, Meeresbiologe an der Universität Wien, gibt für die Adria vorerst Entwarnung: „Dort gibt es derzeit keine Hinweise auf eine mit der französischen Atlantikküste vergleichbare Häufung.“
Dennoch ist das Tier nicht auf den Atlantik beschränkt. Über die Straße von Gibraltar können Portugiesische Galeeren in das Mittelmeer gelangen. Badegäste sollten lokale Warnhinweise vor Ort daher immer ernst nehmen.

Keine gewöhnliche Qualle
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Portugiesische Galeere keine Qualle, sondern ein Hydrozoon. „Es sind koloniale Polypen, die sich zu einem Organismus zusammengeschlossen haben“, erklärt Herndl. Die verschiedenen Bestandteile sind hochspezialisiert: Ein Teil bildet die gasgefüllte Schwimmblase, die als Segel dient, während andere Teile für die Ernährung zuständig sind.
Die Tiere schwimmen nicht aktiv, sondern lassen sich von Wind und Strömungen treiben. Das macht sie unberechenbar. Die tückischen Giftfäden sind mit Nesselzellen besetzt und können weitreichende Verletzungen verursachen – bei Kindern können diese Reaktionen lebensbedrohlich sein.
Warum nehmen die Sichtungen zu?
Die Wissenschaft nennt verschiedene Faktoren für das verstärkte Auftreten. Neben der Überfischung von natürlichen Fressfeinden wie dem Thunfisch spielt die Erwärmung der Ozeane eine Rolle. Marine Hitzewellen treten mittlerweile fast jährlich auf und schaffen begünstigte Lebensbedingungen für die Ausbreitung.
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Verhaltenstipps bei Kontakt
Sollten Sie ein Objekt sehen, das wie durchsichtiges, auf dem Wasser treibendes Plastik aussieht, halten Sie unbedingt Abstand. Falls es trotz Vorsicht zu einer Begegnung mit den Tentakeln kommt, gilt:
- Nicht reiben: Die betroffenen Stellen keinesfalls mit dem Handtuch abrubbeln, da dies weitere Nesselzellen aktiviert.
- Tentakel vorsichtig entfernen: Reste vorsichtig mit einer Pinzette oder einem stumpfen Gegenstand lösen.
- Medizinische Hilfe: Bei großflächigem Kontakt oder bei Kleinkindern sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
- Ruhe bewahren: Suchen Sie bei Warnungen der Rettungsschwimmer oder Behörden das Wasser umgehend und ruhig zu verlassen.
