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Vom Mittelmeer bis zur Nordsee: Warum Quallenschwärme zur globalen Bedrohung werden

Collage portugiesische Galeere Aktuelle News

Collage portugiesische Galeere

Explosionsartige Ausbreitung

Quallen gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde, doch ihre aktuelle Ausbreitung alarmiert Experten. Im Mittelmeer hat sich die Zahl der Tiere in den vergangenen zwanzig Jahren verzehnfacht. Steigende Meerestemperaturen begünstigen dieses Wachstum und machen die Tiere zu einem zunehmenden Risiko für den Tourismus.

Neben der hohen Dichte der Tiere ist vor allem das Auftauchen invasiver Arten besorgniserregend. Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) ist besonders gefährlich: Ihre Nesselfäden können mehrere Meter lang werden. Ein Kontakt mit ihr ist extrem schmerzhaft und kann medizinische Hilfe erforderlich machen. Im Jahr 2010 verstarb eine 69-jährige Frau auf Sardinien nach einer Begegnung mit dem Nesseltier, 2022 wurde eine Frau auf Sizilien ins Krankenhaus eingeliefert.

Collage portugiesische Galeere
Collage mit Abbildungen der Portugiesischen Galeere.

Keine klassische Qualle

Wissenschaftlich gesehen ist die Portugiesische Galeere keine Qualle, sondern eine Kolonie aus vier verschiedenen Hydroidenarten. Dennoch bleibt die Gefahr identisch. Ursprünglich im Atlantik beheimatet, wurde sie in den letzten Jahrzehnten immer wieder sporadisch im Mittelmeer nachgewiesen. Aktuell führt ihr verstärktes Auftreten an den Küsten des spanischen Baskenlandes sogar zu zeitweiligen Strandschließungen.

Strömungen und ungleiche Verteilung

Die Verteilung der Quallen folgt komplexen Meeresströmungen. Besonders während der Fortpflanzungsphasen sammeln sich die Tiere in gewaltigen Mengen. Dies erklärt, warum manche Regionen von „Invasionen“ berichten, während benachbarte Gebiete nahezu verschont bleiben. Ein Beispiel ist das Ionische Meer vor Apulien: Nach massiven Vorkommen in den Jahren 2022 und 2023 blieben die Quallen dort in diesem Sommer fast vollständig aus.

Auch die Art der vorkommenden Tiere variiert stark. Während in der nördlichen Adria der harmlose Meeresblumenkohl (Cotylorhiza tubercolata) dominiert, zeigt die nesselnde Lungenqualle (Rhizostoma pulmo) regionale und zeitliche Hochphasen, die im Golf von Triest im Sommer bereits wieder abnahmen.

Technik unter Druck

Die Gefahr durch Quallen beschränkt sich nicht nur auf Badestrände. Dass die Tiere ganze Industrieanlagen lahmlegen können, zeigte sich jüngst am französischen Atomkraftwerk Gravelines am Ärmelkanal. Große Quallenschwärme verstopften dort die Wasserfilter zur Kühlung der Reaktoren und zwangen den Betrieb in die Knie.