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Raus aus der China-Abhängigkeit: Wie deutsche Pioniere die Batteriewende erzwingen

Industriehalle der Firma Fenecon in Niederbayern Spannende Geschichten

Das Fenecon-Werk in Iggensbach dient als Zentrum für die deutsche Batteriespeicherproduktion.

Ein ehemaliges Werk in Dormagen, eine stillgelegte Halle in Oberfranken und zwei „Gigafactories“ in Niederbayern: Was auf den ersten Blick wie eine willkürliche Ansammlung von Industriebrachen wirkt, ist das Herzstück einer neuen deutschen Strategie. Das Ziel ist klar definiert: Die einseitige Abhängigkeit von chinesischer Batterietechnologie soll gebrochen werden.

Batterien sind die Schlüsseltechnologie des Jahrzehnts. Sie stabilisieren Stromnetze, ermöglichen den Ausbau erneuerbarer Energien und treiben die Elektromobilität an. Doch derzeit stammen rund 80 Prozent aller Batterien laut der Internationalen Energieagentur (IEA) aus China. Die Volksrepublik kontrolliert nicht nur den Rohstoffabbau, sondern auch das Recycling der wertvollen Stoffe.

Der doppelte Rohstoff-Fehler

Das aktuelle System ist ökonomisch fragwürdig: Europäische Recycling-Unternehmen extrahieren Rohstoffe aus Altbatterien und verkaufen die daraus gewonnene „schwarze Masse“ an Zwischenhändler, die sie nach Asien liefern. Dort wird der Stoff in neuen Batterien verarbeitet – und landet schließlich als teures Importprodukt zurück in Europa. Deutschland kauft seine eigenen Rohstoffe im Grunde zweimal ein.

Kleines Kraftwerk
System zur solaren Stromspeicherung als Beispiel für den wachsenden Heimenergiemarkt.

Recycling als strategischer Ausweg

Das 2022 gegründete Startup Cylib aus Aachen will diesen Kreislauf durchbrechen. Die Gründer Gideon Schwich, Lilian Schwich und Paul Sabarny setzen auf eine Technologie, die nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der kritischen Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel aus Altbatterien zurückgewinnen kann.

Dafür hat das Unternehmen ein ehemaliges Bayer-Gebäude in Dormagen übernommen. In Kombination mit einer Anlage in Wernberg-Köblitz soll hier ein europäisches Zentrum für Batterierecycling entstehen. Ab Ende 2026 planen die Aachener, den gesamten Prozess vom Schreddern der Module bis zur Gewinnung sortenreiner Materialien im Inland abzubilden.

Raus aus der China-Abhängigkeit: Wie deutsche Pioniere die Batteriewende erzwingen

Das Iggensbacher Werk von Fenecon in Niederbayern, gleichzeitig der Hauptsitz des Batteriespeicherherstellers
Das Fenecon-Werk in Iggensbach als zentraler Produktionsstandort.

Fertigung Made in Germany

Während Cylib auf die Aufbereitung von Rohstoffen fokussiert, geht die Firma Fenecon in Niederbayern einen Schritt weiter: Sie produziert eigene Batteriespeicher. Firmenchef Franz-Josef Feilmeier, der selbst Erfahrungen in China sammelte, hat das Unternehmen 2011 gegründet. Nach einem harten Bruch mit einem chinesischen Partner infolge eines Patentstreits stellte Feilmeier die Firmenstrategie komplett um.

„Wir wollten nie wieder abhängig sein“, sagt Feilmeier. Heute produziert Fenecon mit rund 300 Mitarbeitern eigene Speichersysteme in den Gigafactories in Albersdorf und Iggensbach. Besonders innovativ: In der „Car Battery Refactory“ werden überschüssige Batterien aus der Automobilproduktion direkt zu neuen Speichern umfunktioniert. Anstatt diese Akkus zu recyceln, erhalten sie ein „zweites Leben“ als stationärer Speicher im deutschen Stromnetz.

Die Brüder Franz-Josef und Stefan Feilmeier
Die Gründer der Firma Fenecon, Franz-Josef und Stefan Feilmeier.

Das Potenzial dafür ist enorm. Da Autohersteller ihre Produktionskapazitäten oft überplanen oder Batterietechnologien schnell veralten, fallen ungenutzte Akkus in großen Mengen an. Feilmeier sieht darin eine Chance, die den kompletten deutschen Markt für Großbatterien versorgen könnte.

Die Strategie der deutschen Pioniere ist eindeutig: Der Ausstieg aus der Fremdbestimmung soll nicht durch protektionistische Kämpfe gegen China gelingen, sondern durch den Aufbau einer eigenen, leistungsfähigen industriellen Infrastruktur. „Wir haben in Deutschland genügend Aufgaben: Reindustrialisieren, Arbeitsplätze schaffen und die Energiewende voranbringen“, so Feilmeier.