Schweizer Alpen im Wandel: Warum zwei bekannte Gletscher für immer verschwunden sind
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Die zunehmende Gletscherschmelze in der Schweiz hat bereits zum Verschwinden mehrerer Eismassen geführt.
Das „Katastrophenjahr“ für das alpine Eis
Jahrtausende prägten Gletscher das Landschaftsbild der Schweizer Alpen. Doch heute weicht das Eis in immer schnellerem Tempo nacktem Fels und Geröll. Experten bestätigen nun einen traurigen Meilenstein: Der Bella-Tola-Gletscher bei Saint-Luc sowie der Urirotstock-Gletscher existieren faktisch nicht mehr.
„Das Katastrophenjahr, das wir Ende Mai befürchtet hatten, ist eingetroffen“, erklärt Schneeexperte Robert Bolognesi. Der Nordhang des 3025 Meter hohen Bella-Tola-Gipfels ist mittlerweile weitgehend eisfrei. Ähnlich dramatisch stellt sich die Lage am Urirotstock dar, wo von der einstigen Eisschicht nur noch vereinzelte Firnfelder übrig geblieben sind.
Der „Worst Case“: Fehlender Schutz durch Schneedecken
Die Ursache für dieses rasante Verschwinden ist eine Kombination aus hohen Temperaturen und ausbleibender schützender Schneedecke. Der Schnee, der die Gletscher normalerweise über die heißen Monate isolieren sollte, schmilzt immer früher ab.
Ohne diesen Schutz ist das darunter liegende jahrhundertealte Eis der prallen Sonne schutzlos ausgeliefert. Glaziologe Matthias Huss bezeichnet diese Entwicklung als „Worst Case“.
Eine Aufnahme der schmelzenden Gletscherlandschaft.
Rhonegletscher als Klimaindikator
Besonders deutlich werden die Auswirkungen am Rhonegletscher, der aufgrund seiner Größe als wichtiger Indikator für den Klimawandel dient. Seit Mitte Mai verliert er massiv an Substanz. Nachdem die schützende Winterschneedecke bereits Ende Juni vollständig abgetaut war, hat der Gletscher mit einer Fläche von 13,5 Quadratkilometern bereits rund 19 Milliarden Liter Wasser verloren.

Der Rückgang ist messbar: An der Gletscherzunge schmilzt das Eis um etwa zehn Zentimeter pro Tag. Im Gesamtdurchschnitt liegt der Verlust bei fünf Zentimetern täglich.
Ein beunruhigender Trend
Das Verschwinden des Bella-Tola- und des Urirotstock-Gletschers ist kein Einzelfall. Laut Daten des Netzwerks GLAMOS an der ETH Zürich haben Schweizer Gletscher seit 2015 rund ein Viertel ihrer gesamten Masse verloren. Besonders kritisch waren die Jahre 2022 und 2023, in denen innerhalb von nur 24 Monaten zehn Prozent des Volumens schwanden – eine Rate, die früher 30 Jahre in Anspruch nahm. Insgesamt sind bereits mehr als 1000 kleine Gletscher in der Schweiz komplett verschwunden.
Warum Gletscher für uns überlebenswichtig sind
Das Schmelzen der Gletscher ist weit mehr als ein Verlust an landschaftlicher Schönheit. Sie fungieren als natürliche Wasserspeicher. Im Winter binden sie Niederschlag als Eis und geben diesen im Sommer als Schmelzwasser an Flüsse und Bäche ab. Dies ist entscheidend für:
- Die Bewässerung in der Landwirtschaft.
- Die Aufrechterhaltung von Ökosystemen.
- Die Energiegewinnung durch Wasserkraft.
Weltweit hängen mehr als zwei Milliarden Menschen von Wasser ab, das aus Gebirgsgletschern gespeist wird. Während die Schmelze kurzfristig das Risiko für Hochwasser und Erdrutsche erhöht, droht langfristig der Versiegungsprozess. Bleiben die Eisreserven aus, fehlt in heißen Sommern das lebensnotwendige Schmelzwasser.

