Sechs Milliarden Euro für den Schrottplatz: Das RAH-66 Comanche Debakel
Aktuelle News
Der RAH-66 Comanche Prototyp im Army Aviation Museum.
Ein teures Erbe in Alabama
Sechs Milliarden Euro. Das ist die Bilanz eines der kostspieligsten Rüstungsprojekte der US-Geschichte. Das Resultat nach Jahren der Entwicklung: Zwei flugfähige Prototypen des RAH-66 Comanche. Keiner von ihnen wurde jemals in einem Einsatzverband genutzt. Heute stehen beide Maschinen als mahnende Exponate im Army Aviation Museum in Alabama.
Konzipiert für ein anderes Zeitalter
Das Konzept des Comanche stammt aus den 1980er-Jahren. Die US-Armee suchte damals einen hochspezialisierten Aufklärungshubschrauber, der feindliche Verbände lautlos ausspähen sollte, um die AH-64 Apache Kampfflieger gezielt ins Ziel zu führen.
Um die Entdeckung durch den Feind zu minimieren, setzte Boeing und Sikorsky ab 1991 auf radikale Stealth-Technologie. Der RAH-66 erhielt einen kantigen Rumpf zur Reduzierung des Radarquerschnitts, ein einziehbares Fahrwerk sowie innenliegende Waffenschächte. Zudem wurden Lärm und Wärmesignatur durch technische Innovationen gezielt gedrückt.
Eine Archivaufnahme der US-Armee.
Technik glänzt, Kosten explodieren
Der Erstflug am 4. Januar 1996 verlief erfolgreich. Doch während die Technik in der Luft überzeugte, geriet das Projekt am Boden in Schieflage. Massive Gewichts- und Kostenprobleme begleiteten die Entwicklung über Jahre.
Bereits 2001 schlug der US-Rechnungshof GAO Alarm. Die Kosten stiegen, der Zeitplan geriet in Verzug und die technische Komplexität nahm stetig zu.

Strategischer Wandel und das Ende
Während die Ingenieure tüftelten, veränderte sich die Weltpolitik. Ursprünglich für den Kampf gegen sowjetische Panzerverbände gedacht, stand die US-Armee nach dem Kalten Krieg vor neuen Herausforderungen im Irak und in Afghanistan.
Drohnen übernahmen zunehmend die Rolle der Aufklärung. Gleichzeitig drückte die Notwendigkeit, bestehende Hubschrauberflotten zu modernisieren, auf das Budget. Die geplante Comanche-Flotte schrumpfte von ursprünglich 1.213 auf 650 Einheiten, während die Gesamtkosten für das Programm auf astronomische 23 Milliarden Euro prognostiziert wurden.
Am 23. Februar 2004 zog die US-Armee den Stecker. Das Programm wurde offiziell beendet. Die vorgesehenen Mittel wurden stattdessen in modernere Helikopter und unbemannte Flugsysteme umgeleitet. Rund 12,6 Milliarden Euro flossen in den folgenden Jahren in diese alternativen Projekte, um die Schlagkraft der Armee neu auszurichten.

