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Vom Zeltplatz zum Tiny-House-Dorf: Wie Camping in Deutschland seine DNA verändert

Ein Tiny House auf einem ehemaligen Campingplatz Aktuelle News

Immer mehr Campingplätze setzen auf feste Unterkünfte statt auf klassische Stellplätze.

Im niedersächsischen Duxbachtal findet derzeit eine schleichende Transformation statt. Ein ehemaliger Campingplatz, der früher Wohnwagen und Zelten Platz bot, hat sich zu einer modernen Tiny-House-Siedlung gewandelt. Seit der Saison 2023 ist der Platz für klassische Camper Geschichte.

Das Projekt ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für einen größeren Wandel der Branche. Auf dem rund zehn Hektar großen Gelände wurden 52 Grundstücke für Minihäuser erschlossen. Die Parzellen, die zwischen 200 und 300 Quadratmeter messen, sind laut Berichten bereits zur Hälfte vergeben.

Der Wandel vom Stellplatz zum „Erlebnisurlaub“

Für den klassischen Wohnmobilisten klingt dieser Trend zunächst nach Verdrängung. Dennoch steckt dahinter eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Betreiber verkaufen heute immer seltener nur Strom und Fläche. Stattdessen positionieren sie sich als Anbieter kompletter Natururlaube mit festen Betten, privater Terrasse, eigenem Bad und Heizung.

Der Bundesverband der Campingwirtschaft (BVCD) prognostiziert für 2026 eine deutliche Verschiebung in Richtung qualitativer Erlebnisurlaube. „Glamping“ – also Camping mit Hotelkomfort – ist zum entscheidenden Wachstumstreiber geworden. Ob Safarizelte, Lodges oder Tiny Houses: Die Nachfrage nach hochwertigen Mietunterkünften steigt stetig.

Das bedeutet jedoch nicht das Ende für Wohnwagen und Zelte. Im Gegenteil: Mit 44,7 Millionen Übernachtungen meldete das Statistische Bundesamt für 2025 einen Rekordwert. Die Strategie vieler Plätze ist daher ein hybrides Modell: Ein Teil der Fläche bleibt klassischen Campern vorbehalten, ein anderer wird in exklusive Mietobjekte umgewandelt.

Eine neue Zielgruppe für den Campingplatz

Der Tiny-House-Trend erschließt eine völlig neue Kundschaft. Viele Menschen schätzen die Atmosphäre von Natur und Lagerfeuer, möchten jedoch kein eigenes Fahrzeug besitzen oder bei schlechtem Wetter im Zelt übernachten. Für diese Gruppe schließen Tiny Houses oder Mobilheime die Lücke zwischen klassischem Camping und der Ferienwohnung.

Vom Zeltplatz zum Tiny-House-Dorf: Wie Camping in Deutschland seine DNA verändert

Auch der ADAC beobachtet diese Bewegung. Der Anteil der Urlauber, die künftig in Mietunterkünften wie Bungalows oder Chalets auf Campingplätzen übernachten wollen, ist von 25 auf 34 Prozent gestiegen. Für Betreiber ist dies wirtschaftlich attraktiv: Feste Unterkünfte lassen sich meist über einen längeren Zeitraum vermieten und erwirtschaften pro Quadratmeter höhere Umsätze als ein einfacher Stellplatz.

Was bedeutet das für klassische Camper?

Die Medaille hat zwei Seiten. Positiv ist die Vielfalt: Familien können heute Zelt-Urlauber und Nutzer von festen Unterkünften auf demselben Platz vereinen. Zudem bietet der Trend Einsteigern die Möglichkeit, Camping zu testen, ohne hohe Summen in die eigene Ausrüstung zu investieren.

Problematisch wird es, wenn durch die Umwandlung der Charakter des Platzes verloren geht. Wenn aus einer Campingwiese ein hochpreisiges Resort wird, kann sich das für Stammgäste befremdlich anfühlen. Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, sollte daher künftig genauer hinsehen.

Vor der Buchung empfiehlt sich ein Blick auf die Gewichtung des Platzes: Ist es noch ein Campingplatz mit ergänzenden Mietangeboten oder bereits ein Tiny-House-Dorf? Kriterien wie Mindestaufenthaltsdauer, Hunderegelungen und die allgemeine Stellplatzdichte sind entscheidende Faktoren, um im Vorfeld böse Überraschungen zu vermeiden.