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Warum der BMI Ihr Herzrisiko verschleiert: Die unterschätzte Gefahr am Bauch

Nahaufnahme eines Maßbandes um eine Taille, um das viszerale Bauchfett zu bestimmen. Aktuelle News

Der Taillenumfang liefert oft präzisere Gesundheitsdaten als der BMI.

Wer sich auf seinen Body-Mass-Index (BMI) verlässt, wiegt sich oft in falscher Sicherheit. Eine aktuelle Studie, publiziert im Fachmagazin JACC, warnt: Auch Menschen mit einem vermeintlich gesunden BMI können ein erheblich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

BMI: Eine trügerische Kennzahl

Das Problem am BMI ist seine Einfachheit. Er ignoriert die individuelle Zusammensetzung des Körpers, insbesondere das Verhältnis von Muskelmasse zu Körperfett. Da Muskeln dichter und schwerer sind als Fettgewebe, können sportliche Menschen einen „zu hohen“ BMI haben, während weniger trainierte Personen mit gefährlich viel viszeralem Bauchfett im Normalbereich landen.

Entscheidender für die Gesundheit ist das viszerale Fett, das sich um die inneren Organe legt. Mediziner nutzen hierfür zwei zuverlässige Indikatoren:

  • Den absoluten Taillenumfang.
  • Das Taille-Hüft-Verhältnis.

Je mehr viszerales Bauchfett eine Person aufweist, desto höher steigt das Risiko für lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei Frauen gilt ein Taillenumfang ab 80 Zentimetern als kritisch, ab 88 Zentimetern ist das Risiko deutlich erhöht. Bei Männern beginnt die Gefahrenzone bei 94 Zentimetern, mit einer deutlichen Risikoerhöhung ab 102 Zentimetern.

Große Studie bestätigt Fehlurteil

Ein Forschungsteam um Zeina Dardari vom John Hopkins Ciccarone Center for Prevention of Cardiovascular Disease untersuchte 15 Kohortenstudien mit insgesamt 260.000 Probanden. Die Ergebnisse sind alarmierend:

Warum der BMI Ihr Herzrisiko verschleiert: Die unterschätzte Gefahr am Bauch
  • Rund 18 Prozent der Menschen mit normalem BMI wiesen ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis auf.
  • Unter den BMI-Übergewichtigen hatten 40 Prozent ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis.
  • Umgekehrt zeigten 45 Prozent der adipösen Studienteilnehmer ein erstaunlich niedriges Taille-Hüft-Verhältnis.

Der einfache Test für zu Hause

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Taille-Hüft-Quotienten als aussagekräftiges Maß. Die Messung ist simpel:

  1. Messen Sie die Taille an der schmalsten Stelle.
  2. Messen Sie die Hüfte an der breitesten Stelle.
  3. Teilen Sie den Taillenwert durch den Hüftwert.

Als erhöht gelten Werte ab 0,85 bei Frauen und ab 0,90 bei Männern. Über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigte sich, dass Menschen mit einem erhöhten Quotient oder Taillenumfang ein höheres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, koronare Herzkrankheiten und Herzinsuffizienz hatten – völlig unabhängig von ihrem BMI.

Risikofaktoren im Fokus

Die Studie unterstreicht zudem, dass klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes oder ein niedrigerer Bildungsstand stärker mit dem Bauchfett korrelieren als mit dem bloßen Körpergewicht. Unabhängig von der Gewichtsklasse war das Bauchfett der stabilere Vorbote für spätere Herzleiden.

So reduzieren Sie viszerales Fett

Sportwissenschaftler betonen, dass eine bloße Diät nicht ausreicht. Professor Ingo Froböse plädiert für eine grundlegende Umstellung des Lebensstils. Die effektivste Strategie ist die Kombination aus:

  • Ausdauer- und Krafttraining (mindestens 3- bis 4-mal wöchentlich).
  • Einer ausgewogenen, kalorienbewussten Ernährung.
  • Gegebenenfalls Intervallfasten an ein bis zwei Tagen pro Woche.

Ohne regelmäßige körperliche Aktivität lässt sich das hartnäckige viszerale Fett kaum nachhaltig reduzieren. Der Rat der Experten ist eindeutig: Legen Sie den Fokus nicht mehr nur auf die Waage, sondern regelmäßig auf das Maßband.