Warum Ritter Sport jetzt Nachhaltigkeits-Versprechen überklebt
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Warum Ritter Sport jetzt Nachhaltigkeits-Versprechen überklebt
Der Schokoladenhersteller Ritter Sport greift derzeit zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Auf zahlreichen Produktverpackungen werden bisherige Werbeaussagen zur Nachhaltigkeit einfach überklebt. Anstelle der Hinweise zum zertifizierten Kakaobezug prangt nun ein Aufkleber mit der simplen Aufschrift „100 g“.
EU-Vorgaben stoppen Werbeversprechen
Hintergrund dieser Aktion ist die EU-Verbraucherschutzrichtlinie „EmpCo“. Diese setzt neue, strikte Standards für Werbeaussagen, um sogenanntes Greenwashing zu unterbinden. Begriffe wie „nachhaltig“ dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn sie durch umfangreiche Nachweise lückenlos belegt werden können.
Ritter Sport stellt sein Verpackungsdesign nach und nach um, um künftig explizit auf den Verzicht von Aromen hinzuweisen. Um bereits produzierte Folien nicht entsorgen zu müssen, werden die alten Nachhaltigkeitsversprechen während der Übergangsphase provisorisch überdeckt.
Eine Ritter-Sport-Verpackung mit dem Hinweis „Ohne Aromen“.
Reaktion auf Kritik an „Shrinkflation“
Die Sticker-Aktion dient jedoch nicht nur der Einhaltung von EU-Richtlinien. Sie ist auch eine direkte Reaktion auf die anhaltende öffentliche Kritik an der Produktstrategie des Unternehmens.
In der Vergangenheit stand der Hersteller in der Kritik, weil neue, leichtere Schokoladensorten in Verpackungen verkauft wurden, die den klassischen 100-Gramm-Tafeln zum Verwechseln ähnlich sahen. Zur aktuellen Maßnahme erklärte das Unternehmen: „Gleichzeitig können wir die Zeit des Übergangs nutzen und insbesondere bei der 100-g-Tafel nochmals verstärkt auf das Thema Grammatur hinweisen.“
Verbraucherzentrale kritisierte Preisanpassungen
Im Frühjahr 2026 hatte Ritter Sport Produkte mit einem reduzierten Inhalt von 75 Gramm eingeführt. Die Verbraucherzentrale wertete dies als klassischen Fall von „Shrinkflation“ – also eine versteckte Preiserhöhung, da die neuen Sorten den bisherigen Produkten der „Kakao-Klasse“ optisch stark ähnelten.
Bei einem Verkaufspreis von meist 2,29 Euro kritisierten Verbraucherschützer eine effektive Preiserhöhung von über 33 Prozent. Ritter Sport wies diese Vorwürfe stets zurück und betonte, es handele sich um eine völlig eigenständige Produktgruppe mit neuen Rezepturen und einem angepassten Format.

