WM der Rhythmischen Sportgymnastik: Isabell Sawade über Gesundheit und neue Standards
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Darja Varfolomeev ist eine der Favoritinnen bei der Heim-WM in Frankfurt.
Spitzensport zwischen Ästhetik und Gesundheit
Seit dem 12. August läuft in der Frankfurter Festhalle die Weltmeisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG). Bis zum 16. August messen sich 345 Athletinnen aus 70 Nationen. Mit dabei ist auch die deutsche Olympiasiegerin Darja Varfolomeev, die als große Hoffnungsträgerin für die Mehrkampf- und Einzelgerätefinals gilt.
Doch hinter der glänzenden Fassade aus Eleganz und Präzision rückt ein Thema in den Fokus, das lange Zeit tabuisiert wurde: die Gesundheit der Athletinnen. Isabell Sawade, Teamchefin der deutschen Nationalmannschaft, macht den Umgang mit dem eigenen Körper zur Chefsache.
Kampf gegen Energiemangel
Sawade betont, dass Ernährung eine zentrale Säule des Hochleistungssports ist. „Wenn ich Hochleistungssport betreiben will, ist mein Körper mein Kapital“, erklärt sie. Der Verband steuert aktiv gegen das Risiko von Essstörungen, das in der Sportart weiterhin ein Thema bleibt.
Zur Prävention setzt der Deutsche Turner-Bund auf ein breites Spektrum an Maßnahmen:
- Regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen.
- Einsatz von Sportpsychologen und Ernährungsberatern.
- „RED-S-Screenings“ zur frühzeitigen Erkennung von relativem Energiemangel.
Sawade stellt fest, dass die Aufklärungsarbeit greift. Die Zahl der Ermüdungsbrüche sei durch diese Maßnahmen bereits gesunken. Dennoch räumt sie ein, dass in manchen Trainerstäben noch veraltete Ansichten existieren könnten.

Mythos Gewicht: „Es gibt kein Ideal“
Auf die Frage nach einem körperlichen Idealbild reagiert die Teamchefin gelassen. „Ich kann nicht sagen, wie groß die Mädchen sind und wie viel sie wiegen. Wichtig ist, dass sie sich wohlfühlen“, so Sawade. Ein festgeschriebenes Gewichtsideal lehnt sie ab, da jeder Körper andere Anforderungen bei Sprüngen und Drehungen mit sich bringt.
Regeln gegen Sexualisierung
Auch die Darstellung der Gymnastinnen in der Öffentlichkeit unterliegt strengeren Regeln. Das Technische Komitee schreitet ein, wenn Musik oder Choreografien im Juniorenbereich als unangemessen eingestuft werden. Zudem wurden die Vorschriften für Wettkampfanzüge verschärft – etwa hinsichtlich des Stoffeinsatzes und der Abdeckung kritischer Körperpartien.
Während der Verband bei offiziellen Fotos auf dezente Posen achtet, setzt Sawade bei persönlichen Social-Media-Profilen der Athletinnen auf Sensibilisierung. Zwar könne sie als Teamchefin keine Verbote aussprechen, doch das Gespräch über die Wirkung von Bildern sei ein notwendiger Schritt, um das Image der Sportart zeitgemäß und professionell zu halten.
