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Wohnen gegen Arbeit: Das fragwürdige Geschäftsmodell der „Immobilienwächter“

Eine moderne Wohnsiedlung in London. Aktuelle News

In Londoner Stadtteilen wie Richmond sind Mieten extrem hoch, was alternative Wohnformen attraktiv macht.

In einer Zweizimmerwohnung im Südwesten Londons lebt die 36-jährige Amy Rogers für einen Bruchteil des marktüblichen Preises. Während in ihrem Bezirk Richmond laut dem britischen Office for National Statistics (ONS) durchschnittlich 2300 Pfund (etwa 2700 Euro) Miete fällig werden, zahlt Rogers lediglich 530 Pfund zuzüglich 60 Pfund Nebenkosten.

Der Grund für diesen Preisnachlass ist ein spezieller Vertrag. Als Gegenleistung für die günstigen Wohnkosten verpflichtet sich Rogers, monatlich zwölf Stunden ehrenamtlich als Nachhilfelehrerin tätig zu sein.

Das Konzept hinter „Dot Dot Dot“

Die Vermittlung läuft über das Sozialunternehmen „Dot Dot Dot Property“. Das Modell richtet sich an Bewohner, die in Gebäuden leben, die momentan leerstehen oder perspektivisch für einen Abriss vorgesehen sind.

„Ich kann jetzt definitiv mehr Geld sparen“, sagt die Künstlerin Rogers. Für sie persönlich bedeute dieses Modell eine Form finanzieller Freiheit. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die mangelnde Planungssicherheit: Auch Rogers‘ derzeitige Unterkunft ist langfristig für einen Abriss vorgesehen.

Hohe Risiken für Bewohner

Neben der Unsicherheit gibt es grundlegende rechtliche Nachteile bei diesem Modell. Die Bewohner werden nicht als Mieter, sondern als sogenannte „Immobilienwächter“ oder Lizenznehmer geführt. Dies hat zur Folge, dass klassische Mieterrechte weitgehend entfallen.

Wohnen gegen Arbeit: Das fragwürdige Geschäftsmodell der „Immobilienwächter“

Ein entscheidender Haken: Das Unternehmen kann die Wohnunterkunft mit einer Frist von nur 28 Tagen kündigen. Wer sich auf dieses Modell einlässt, muss also jederzeit mit einem kurzfristigen Umzug rechnen.

Kritik an Kosten und Kommunikation

In den vergangenen Jahren ist das Geschäftsmodell zunehmend in die Kritik geraten. Berichte über drastische Preissteigerungen bei den Gebühren haben das Image der Immobilienwächter-Modelle belastet. So berichtete der „Guardian“ bereits 2022 von Nutzern, die über Anstiege von bis zu 113 Prozent klagten.

Auch auf Bewertungsportalen wie Trustpilot finden sich zahlreiche kritische Stimmen. Ehemalige und potenzielle Bewohner bemängeln dort vor allem die intransparente Kommunikation des Unternehmens, die steigenden Kosten sowie die geringe rechtliche Absicherung der Bewohner.

Häufige Fragen

Was ist ein Immobilienwächter?

Ein Immobilienwächter ist ein Lizenznehmer, der in leerstehenden oder für den Abriss vorgesehenen Gebäuden wohnt.

Wie hoch ist die Kündigungsfrist für Immobilienwächter?

Das Unternehmen kann den Vertrag für die Wohnunterkunft mit einer Frist von nur 28 Tagen kündigen.

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