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Die große Methan-Illusion: Wie Europas Kohlekonzerne Emissionen einfach weg-rechnen

Grafische Darstellung von Methan-Emissionen durch Ember Energy. Aktuelle News

Visualisierung der Methan-Emissionen laut Ember Energy.

Auf dem Papier sieht es aus wie ein klimapolitischer Durchbruch. Die offiziellen Meldungen der Kohlebetreiber zeigen einen Absturz der Methan-Emissionen – teils um 60, 90 oder gar 99 Prozent. Doch an der tatsächlichen Fördermenge hat sich kaum etwas geändert.

Wissenschaftler schlagen Alarm: Die Emissionen sind nicht verschwunden. Sie wurden durch eine methodische Neuausrichtung in den Berichten lediglich statistisch neutralisiert.

Fragwürdige Statistik bei europäischen Tagebauen

Jaroslaw Necki, Physiker an der Wissenschaftlich-Technischen Universität in Krakau, erforscht die Methan-Intensität zentralpolnischer Braunkohletagebaue. Seine Untersuchungen zeichnen ein Bild, das im krassen Widerspruch zu den offiziellen Meldungen von 2024 steht.

Polen meldete für seine größten Tagebaue wie Belchatow und Turow plötzlich Methanwerte, die nur noch einen Bruchteil der Vorjahre ausmachen. Necki ist skeptisch: „Ich glaube diesen Zahlen überhaupt nicht. Es werden absichtlich falsche Techniken angewendet, um den Kohlebergwerken zu nutzen – nicht der Umwelt.“

Der deutsche Sonderweg

Auch in Deutschland zeigt sich ein ähnliches Muster. Das Umweltbundesamt wies für die zehn hiesigen Tagebaue für das Jahr 2024 nur noch rund 377.000 Kilogramm Methan aus. Im Vorjahr lag die Berechnung bei einer vergleichbaren Förderung noch deutlich höher.

Experten des Thinktanks Ember vermuten, dass die tatsächlichen Emissionen aus deutschen Gruben 28 bis 220 Mal höher liegen könnten als offiziell angegeben. Analystin Sabina Assan betont: „Die deutschen Braunkohletagebaue sind noch viel schmutziger, als die Regierung denkt.“

Wie die „Schönrechnung“ funktioniert

Seit 2024 dürfen Tagebaubetreiber ihren „Emissionsfaktor“ selbst auf Basis eigener Standortproben bestimmen, statt auf staatlich vorgegebene Pauschalwerte zurückzugreifen. Verbindliche, wissenschaftlich fundierte Richtlinien für diese Messungen fehlen bisher.

Die große Methan-Illusion: Wie Europas Kohlekonzerne Emissionen einfach weg-rechnen

Die gängige Praxis bei den Betreibern sieht meist so aus:

  • Entnahme von Kohleproben aus frisch freigelegten Schichten.
  • Zerkleinerung der Proben vor Ort.
  • Messung des dabei austretenden Gases.

Das Problem: Bei diesem Vorgehen wird das Methan ignoriert, das bereits beim Abtragen des Deckgebirges durch Druckabfall und Rissbildung entweicht. Der Großteil der Emissionen geschieht also bereits vor der Probenahme.

Satelliten liefern die Realität

Während die Statistiken sinken, zeichnen Satellitendaten ein gegenteiliges Bild. Ember identifizierte für das Jahr 2025 zahlreiche Methan-Großereignisse über europäischer Energieinfrastruktur.

Allein in Polen wurden 109 von 114 der EU-weit erfassten Methan-Großereignisse verortet. Damit führt Polen die Liste der größten fossilen Methan-Emittenten der EU deutlich an.

Politischer Handlungsbedarf

Die EU-Methan-Verordnung sollte eigentlich höhere Standards setzen, öffnete jedoch die Tür für die derzeit praktizierten Berechnungsmethoden. Jutta Paulus, Abgeordnete des Europäischen Parlaments (Grüne), räumt ein: „Wir haben immer gesagt, dass wir eine bessere Methodik brauchen.“

Ohne verbindliche Standards und unabhängige Kontrollen droht das Methan-Problem auf dem Papier zu verschwinden, während es in der Atmosphäre weiter ansteigt. Necki warnt eindringlich vor einer zu engen Verflechtung zwischen Industrie und prüfenden Behörden.

Häufige Fragen

Wie hoch könnten die tatsächlichen Methan-Emissionen deutscher Tagebaue sein?

Experten des Thinktanks Ember vermuten, dass die realen Emissionen 28 bis 220 Mal höher liegen könnten als die offiziell gemeldeten Werte.

Welches EU-Land weist die meisten Methan-Großereignisse auf?

Polen führt die Liste an; dort wurden 109 von 114 der EU-weit erfassten Ereignisse im Jahr 2025 verortet.

Warum kritisieren Wissenschaftler die Messmethoden der Betreiber?

Die Messungen erfassen nur Gase aus Kohleproben, ignorieren jedoch das Methan, das bereits durch Druckabfall beim Abtragen des Deckgebirges austritt.

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